Schauspielhaus: "Pastor Ephraim Magnus"

Der Autor

Hans Henny Jahnn: ist ein Hamburger Jung, der im Ersten Weltkrieg nach Norwegen floh. Dort schrieb er mit 19 Jahren seinen Pastor Ephraim Magnus. Mit einem Sterbenden, der sich das Blut seiner Hämorrhoiden von den Fingern leckt, beginnt das Stück – und wird dann schrittweise krasser.

Der Regisseur - Frank Castorf: Was macht der Stückezertrümmerer mit einem Trümmerhaufen-Stück? Er ergänzt es mit Theorie und Alt-68er-Folklore: Hitler in Shorts und weißen Kniestrümpfen, Freiheitsstatue als eiserne Jungfrau.

Das Stück

Action: Es gibt viel Kunstblut, viel Geschrei und eine realistisch aussehende Streckbank. An Pyro-Effekten wurde leider gespart.

Erotik: Eine Nackte im Kühlschrank. Inzest im Beichtstuhl. Balzende Skorpione. Für Fortgeschrittene.

Gefühl: Regisseur Castorf will Gefühle wecken. Eher betäubt er sie. Porno, Splatter, Transgression? Hält man aus. Aber viereinhalb Stunden still sitzen? Uff.

Das Theater

Garderobensituation: Unproblematisch.

Pausen-Snacks: Champagner Drappier Carte d’Or (375 ml) 45 Euro. Laugenbrezel (leicht trocken) 2,50 Euro.

Exit-Strategie: Wer in der Pause flüchtet, kommt zu spät zur Happy Hour in der Langen Reihe. Mit etwas Glück schafft man aber noch die Spätvorstellung im Savoy.

Der Nutzwert

Tweet-Empfehlung: "I just survived #PastorEphraimMagnus @schauspielHHaus #thankgod #yolo #neveragain".

Small-Talk-Faktor: Hoch. Romantiker sagen: "Wenn sich der Körper öffnet, und drinnen ist keine Seele, nur Gedärm – der Horror!" Zyniker lästern: "Ein Stück über Sex und keiner zieht den Schlüpper aus?"

Das Fazit

Fun Fact: Castorf genoss die Buhrufe in Bayreuth. In Hamburg buht niemand. 

Preis-Leistung: Tickets ab 11 Euro: Ein Schnäppchen für viereinhalb Stunden Radau. Doch Achtung, versteckte Zusatzkosten, wenn der HVV nachts nicht fährt.

Besuchern dieses Stücks gefällt auch: Georges Bataille, Antonin Artaud, Feuchtgebiete.