Nach Rheinsberg gefahren. Dieser Sonntag verdiente seinen Namen. Brandenburgs Alleen standen noch winterlich kahl, doch Clärchen lachte aus heiterstem Himmel. Überall strahlten zwei jung-dynamische Plakatgesichter, denn der Landkreis Oberhavel beging einen Festtag der Demokratie. Ludger Weskamp (SPD) und Matthias Rink (CDU) stellten sich zur Stichwahl um das Landratsamt.

Pause, in Lindow. Das gehört schon zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin und ist, Fontane zufolge, "so reizend wie sein Name. Zwischen drei Seen wächst es auf und alte Linden nehmen es unter seinen Schatten." Auch an der Klosterruine warben Plakate, um Spenden. Man erfuhr, "aufgrund der langjährig verringerten Pflege" hätten sich widerrechtlich Spitzahorn und Robinie angesiedelt, "die den Charakter der Anlage erheblich stören. Zur Wiederherstellung des historischen Landschaftsbildes müssen Bäume gefällt werden." 69 Wildwüchser fielen bereits. Am See hinter der Ruine stapelte sich Holz – von lebensunwürdigen Arten?

Es ist höchst zweifelhaft, dass solche Ausmerzung im Sinne Fontanes geschieht. Der märkische Wandersmann pries 1872, wie die Parkwiese aller Bäume "Verschiedenheiten wieder in eine höhere Einheit zusammenfasst". Gewissheit erlangte man tags darauf über das Ergebnis der Oberhaveler Landratswahl. Der Sozialdemokrat Weskamp errang die absolute Mehrheit von 60,1 Prozent, jedoch nicht die geforderten 15 Prozent der möglichen Stimmen. 36 215 Bürger votierten, gegenüber 138 893 Nichtwählern. Die Wahlbeteiligung betrug schaurige 20,7 Prozent. Seltsam, mir kam es vor, als hätten die demokratische Pleite im Landkreis Oberhavel und die reinrassige Holzerei von Lindow irgendwie miteinander zu tun.