Schneckengleich langsam schiebt sich die in blaue Plane gekleidete Maschine von der Größe eines Kleinwagens auf ihren Stelzenrädern durch das Spargelfeld. Ab und zu zuckt ein Blitzlicht über die graubraune Erde. Dann stoppt das Gerät, Elektromotoren surren und bringen einen Greifarm in Position. Blitzschnell fährt zuerst ein Messer nach unten, dann folgt eine mit Gummi gepolsterte Zange. Sie zieht eine 30 Zentimeter lange weiße Spargelstange aus der Erde, bewegt diese vorsichtig in Richtung Auffangschale, lässt sie los – und auf den sandigen Boden fallen. In den Dreck. Doch Malte Bethke lächelt zufrieden. "Wir haben den Spargel richtig erkannt und sauber gestochen, der Rest ist Kleinkram, um den kümmern wir uns später."

Das ist also der Blick eines Verfahrenstechnikers auf die Spargelernte.

Malte Bethke leitet seit sieben Jahren das Forschungsprojekt AutoSpar: Auto wie automatisch, Spar wie Spargel. Mit gut einer Million Euro EU-Geld und zusammen mit dem Buxtehuder Landmaschinenhersteller Strauss soll Bethke einen vollautomatischen Spargelstecher entwickeln. Klingt profan? Der erste Versuch ging gründlich schief. 2012 gab es einen Neuanfang, und nun, in der anbrechenden neuen Spargelsaison soll der Spargelstechroboter funktionsreif werden. Endlich.

Getreide, Kartoffeln, Karotten oder Tomaten: Die meisten Feldfrüchte können längst maschinell geerntet werden. Nur Erdbeeren und Spargel verweigern sich moderner Landwirtschaftstechnik. Gepflückt und gestochen werden sie nach wie vor von Hand, genauer gesagt von den 300.000 Händen 150.000 osteuropäischer Saisonarbeiter. Und für die gilt jetzt auch – der Mindestlohn. Zwar ist der in diesem Jahr noch auf 7,40 Euro pro Stunde gedeckelt, von 2017 an muss er aber voll gezahlt werden.

"Wir sind wirklich dankbar für jede maschinelle Unterstützung", sagt der Spargelbauer Christoph Werner aus Deinste bei Hamburg. Bis zu 200 Erntehelfer heuert er jedes Jahr an, um das Edelgemüse auf seinen 130 Hektar Anbaufläche stechen zu lassen. Für die Erntetests von AutoSpar stellt Werner zwei Dämme eines Spargelfelds zur Verfügung. Dort trifft die am Computer designte und in sauberen Fabrikhallen montierte Technik auf die erdige Realität des Ackers. Auf diesem Boden der Tatsachen gerät sie ins Stottern. Vor allem zwei Probleme machen Bethke und seinem Team zu schaffen: die eindeutige Erkennung erntereifer Spargelstangen und ihre unversehrte Bergung.

Wie sieht die Erntearbeit für den Roboter aus? So: Das weiße Spargelköpfchen lugt nur ein bis zwei Zentimeter aus dem Boden. Auf den Fotos, die eine Kamera aus drei Perspektiven schießt, hebt es sich zwar deutlich ab von der dunkleren Erde ringsum, das Gleiche gilt aber auch für kleine Steinchen oder Blätter. Bei jedem zweiten bis dritten Stoppen-Stechen-Greifen erntet AutoSpar nichts, das macht ihn zu langsam.

"Je nach Luftfeuchtigkeit variiert die Farbe des Bodens zwischen dunkelbraun und hellgrau, deshalb ist die Kalibrierung der Aufnahmen so schwierig", erklärt Fred Hugen, ein gelassener Informatiker mit einem grauen Schnauzbart. Er kümmert sich um die Bilderkennungssoftware des AutoSpar und reist für jeden Testlauf aus dem niederländischen Apeldoorn an. Seine Mission: die Phantomspargelquote zu drücken. Sein Ziel: weniger als jeder zwanzigste Griff soll ins Leere gehen. Geglückt ist ihm das bereits – in einer Simulation mit den Daten der vergangenen Saison.