Das Ärztezentrum Neue Wilhelmsburger Mitte in Hamburg sieht aus, als würde es sich in seiner Umgebung noch ein wenig allein fühlen. Der mehrstöckige Neubau ist umgeben von hellen Betonflächen und weitläufigen Parkanlagen, alles fein säuberlich angelegt – nur kommen selten Menschen vorbei. Björn Maronde schlägt den Mantelkragen hoch bis übers Kinn, beugt sich gegen den Wind und mustert den Bau mit zusammengekniffenen Augen. "Eine Traumimmobilie", sagt er.

Bei diesen Worten denkt Maronde nicht an hohe Stuckdecken, große Fenster und einen Balkon mit Gartenblick. Er denkt an: eine Vermietungsquote von mehr als 90 Prozent, eine Bestandsimmobilie ohne Baurisiko und eine Toplage. Der 34-Jährige hat Ende 2014 das Unternehmen Exporo gegründet, eine Internetplattform, bei der Kleinanleger schon ab 500 Euro in Immobilien investieren können, auch in Marondes Traumhaus. "Bisher können sich nur sehr wenige Menschen direkte Beteiligungen an Immobilien leisten", sagt der Hamburger. "Das wollen wir ändern." Der Zeitpunkt ist günstig: Wegen der niedrigen Zinsen wollen viele Anleger derzeit in Immobilien investieren, doch nicht jeder hat das Geld, um gleich eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen.

Exporo versteht sich als Plattform für Crowdinvesting. Damit setzt es auf den Trend, Projekte mittels vieler kleiner Geldgeber, einer Crowd, zu finanzieren. Auf diese Weise kamen 2014 laut dem Gründerportal fuer-gruender.de fast 60 Millionen Euro zusammen, Tendenz steigend. Es gibt das Crowdfunding, bei dem die Geldgeber Spendern gleichen und oft nur einen symbolischen Gegenwert erhalten. Das Crowdlending, bei dem Anleger klassisch Geld verleihen, also Fremdkapital bereitstellen. Und eben das Crowdinvesting, wo das Geld auf eine Weise vergeben wird, die ihm Charakteristika von Eigenkapital verleiht. Kleinanleger verteilen dabei über eine Internetplattform Darlehen, die sie später mit Gewinnbeteiligung oder Zinsen zurückbekommen – wenn alles läuft wie geplant.

Bisher fließt das Geld vor allem in junge Firmen, zunehmend aber auch in Immobilien. Neben Exporo gibt es Plattformen wie Kapitalfreunde oder Zinsland. Auch Companisto und Bergfürst, die normalerweise Geld für Start-ups einsammeln, haben bereits erste Bauprojekte finanziert. "Da zeichnet sich der nächste große Trend innerhalb der Branche ab", sagt Ralf Beck, Wirtschaftsprofessor von der Fachhochschule Dortmund und Autor eines Buches über Crowdinvesting.

Wohin die Reise gehen könnte, verrät der Blick in die USA: Dort starteten die Brüder Benjamin und Daniel Miller 2012 die Plattform Fundrise und finanzierten über die Crowd den Bau eines Einkaufszentrums in Washington. Heute kann die Firma auf 40.000 Investoren und rund 650 Projektentwickler zurückgreifen, sie verwaltet ein Anlagevolumen von knapp 30 Millionen Dollar. Auf eine ähnliche Entwicklung hofft Björn Maronde in Europa. "Wir möchten eine wirkliche Alternative zu anderen Anlageformen wie beispielsweise Immobilienfonds werden", sagt er.

Für Heinrich von Bünau ist die Plattform das schon. Der 33-jährige Volkswirt hat knapp 2.000 Euro über Exporo angelegt. "Anders als bei einem offenen Immobilienfonds muss ich dabei nicht die ganze Zeit im Blick haben, wie sich der Markt für die Fondsanteile entwickelt", sagt er. Dazu komme die höhere Rendite. Offene Fonds bringen Anlegern seit der Finanzkrise nach Schätzungen der Rating-Agentur Scope nur maximal drei Prozent. Beim Ärztezentrum Wilhelmsburg bekommt von Bünau 4,5 Prozent Zinsen pro Jahr, bei fünf Jahren Laufzeit. Ein zweites Objekt, das noch im Bau ist, wird zwei Jahre lang mit sechs Prozent verzinst. Geschlossene Immobilienfonds, bei denen Anleger nicht ohne Weiteres aussteigen können, erreichen ähnliche Größenordnungen, doch sie sind nach mehreren Pleitewellen in Verruf geraten. "Davon lasse ich lieber die Finger", sagt von Bünau.

Risiken birgt auch das Crowdinvesting. Die Anleger stecken ihr Geld nur in eine Immobilie und nicht – wie etwa bei offenen Fonds – in Dutzende. Initiator Maronde sieht mehr Transparenz. "Bei uns können sich die Anleger genau überlegen, ob sie ein bestimmtes Projekt für unterstützenswert halten", sagt er. Dafür würden auf der Internetplattform alle relevanten Informationen bereitgestellt. Doch selbst wenn die Anleger genug Erfahrung mitbringen, um diese Informationen richtig einzuordnen: Risikostreuung sieht anders aus. Ob sich ein Investment lohnt oder nicht, hängt allein vom Ausgang des entsprechenden Projektes ab.