Der Teufel ist schon ein Scherzkeks. Treibt seine Späße mit der Menschheit und kann nicht genug kriegen von dieser Posse, die man wahlweise Zufall oder Schicksal nennt. Dass sie trotz allem eine Pointe hat, ist Christus zu verdanken: gekreuzigt, gestorben und – Überraschung! – am dritten Tage auferstanden. Der Tod? Das Böse? Alles nur ein schlechter Witz.

Bis ins 19. Jahrhundert hatte der Klerus für das Glück, einen Heiland mit Comeback-Garantie zu haben, eine eigene Liturgie parat: den risus paschalis, das Osterlachen. Nach der ersten Karwoche gab es Stand-up-Comedy: Priester spickten ihre Predigten mit Anekdoten, Witzen und sogar Zoten, gaben Zaubertricks zum Besten und stellten pantomimisch den Triumph des Evangeliums über das irdische Leiden dar.

Auch eine Pointe: dass dieser Ritus nun in Hamburg wieder auftaucht, denn der Protestantismus ist spätestens seit Luther nicht mehr so recht zu Scherzen aufgelegt. 1853 verbannte ein kirchlicher Erlass offiziell "Fabeln, gereimte Dichtungen und Obskures" aus der Osterpredigt.

Wie andere Kirchen auch zelebriert die St.-Johannis-Gemeinde das Osterlachen: Am kommenden Montag wird Olli Dittrich auftreten, nicht als Dittsche – der ist zwar ebenfalls eine abendländische Figur, aber als Sokrates der Imbissbude dann doch mehr von griechisch-antikem Zuschnitt.

In Altona wird Dittrich aus dem Werk des Hamburger Humoristen Heino Jaeger lesen, eines Virtuosen der absurden Komik und von Comedians in einer Weise verehrt, die man ruhig religiös nennen darf. Jaeger ist auch immer wieder für eine Auferstehung gut: Begraben in den Annalen der Literaturgeschichte (er wird mehr als Dichter gehandelt denn als Komiker; siehe die schöne Buchausgabe seiner Sketche im Kein-&-Aber-Verlag), kehrt er als Stilreferenz in den Werken von Rocko Schamoni, Heinz Strunk und eben Dittrich zurück.

Im Internet kann man sich einen Eindruck von der frohen Botschaft Jaegers machen, zum Beispiel mit der Hörspiel-Miniatur Pfarrer von 1975. Eine sechsminütige Predigt, bei der man nicht weiß, ob sie nun rührend, verstiegen, verstrahlt oder alles zusammen ist. "Ich habe selber fünf kleine Kinder zu Hause und auch einen Fernsehapparat", sagt Jaeger in der Rolle des TV-Predigers. "Aber immer wieder stelle ich mir die Frage vor dem Fernsehprogramm: Ist denn das alles wahrhaftig? IST DAS ALLES GOTTGEWOLLT? Einen recht schönen Sonntag."

"Alles, was Schmerz und Trauer erleichtert, ist erlaubt in der Kirche", sagt Olli Dittrich. Und Pastor Michael Schirmer, der Gastgeber in Altona, findet: "Glaube und Humor gehören zusammen. Beide können uns aus der Tragik des Alltags herausheben."

Dass das Lachen etwas Erlösendes hat, ist umstritten, zumindest aus theologischer Sicht. In Umberto Ecos Roman Der Name der Rose versteckt ein Mönch die Schriften von Aristoteles zur Komödie vor seinen Ordensbrüdern. Humor, so seine Befürchtung, zersetzt ein auf Furcht und Zerknirschung basierendes Glaubenssystem. Über Dogmen macht man keine Witze. Kirchenvater Johannes Chrysostomus proklamierte 400 nach Christus: "Nicht dazu sind wir zusammen, um schallendes Gelächter anzuschlagen. Sondern um zu seufzen, und mit diesem Seufzen werden wir uns den Himmel erwerben." Contra Dittrich, im Jahr 18 nach Jaeger (er starb 1997 in Bad Oldesloe): "Lachen verbindet mit anderen."

Vielleicht geht ja beides: Gemeinsam klagen über das Unrecht, das Christen widerfährt im Irak, in Syrien, wo jeden Tag im Jahr Karfreitag ist, eine Passions- und Foltergeschichte mit ungewissem Ausgang. Und gemeinsam scherzen über die eigenen Mängel, Ängste, Sorgen. Zumal da einer zurückgekehrt ist von den Toten und sagt: "Verdammnis? Dass ich nicht lache!"

St. Johannis/Kulturkirche Altona: "Osterlachen"mit Texten von Heino Jaeger. Ein Abend mit Olli Dittrich, 6. April, 19 Uhr. Eintritt: 10 €, Hartz-IV-Empfänger 3 €, Obdachlose frei. Der Erlös kommt dem "CaFee mit Herz" in St. Pauli zugute