Die Universität Hamburg rührt die Werbetrommel – aus gutem Grund. Vor einem Jahr haben ihr drei ehemalige Großpolitiker die Zweitklassigkeit bescheinigt. Im Ranking der Shanghai-Universität landet Hamburg irgendwo zwischen 151 und 200. Unter den Top Twenty befinden sich 16 amerikanische und drei britische Hochschulen. Die erste deutsche ist Heidelberg – auf Platz 49.

Der Hamburger Präsident Dieter Lenzen mag den Vergleich nicht. Man könne "nicht von Harvard träumen". Denn diese Universität habe ein zwanzig Mal höheres Budget bei halb so vielen Studenten. Das stimmt zwar nicht; denn es sind nicht einmal vier Mal mehr – zwei Milliarden Euro für Harvard, 615 Millionen für Hamburg. Machen wir uns aber nichts vor; das liebe Geld ist ein Faktor. Nur werden die deutschen Unis, die am Steuersäckel hängen, nicht mehr kriegen.

Bis 1933 war die deutsche Hochschule das Modell für die Welt. Die Forschungs-Uni wurde hier erfunden; Harvard, Chicago, Stanford haben es importiert. Heute läuft es umgekehrt, siehe den "Bätschelor". Doch das reicht nicht. Es fehlen die scharfe Konkurrenz um die besten Studenten und Lehrer sowie die finanzielle Selbstständigkeit. Das gilt nicht nur für die privaten US-Unis, sondern auch für die staatlichen, die unter den Top 20 fünf ausmachen. Die bekamen einst ein Drittel vom Staat; heute sind es um die zwölf Prozent. Den Rest müssen sie selber beschaffen – auch mit Studiengebühren. Schon 1643 schickte Harvard einen Bettelbrief ab.

Studiengebühren sind hier des Teufels. Denn nach 1968 haben die Deutschen im ewigen Wettstreit zwischen Exzellenz und Egalität den zweiten Weg gewählt, derweil die USA bei ihren 4.000 Institutionen nach Begabung selektieren – von Stanford bis zum Community College. Die Briten tun es auch; sonst gäbe es "Oxbridge" nicht.

In der "Wissenswirtschaft" ist die Hochschule die Aufstiegsleiter schlechthin; davon zeugen anschwellende Studentenzahlen weltweit. Weltweit setzt sich auch das US-Finanzierungsmodell durch: weniger Staat, mehr privat – selbst in China. Doch die explodierende Nachfrage fordert ihren Tribut. In Amerika haben sich die Studiengebühren in 20 Jahren real verdoppelt, die Studenten ächzen unter Schulden in Höhe von etwa einer Billion Dollar. Ist es die Sache wert? Die statistische Antwort: Einer mit B. A. verdient etwa doppelt so viel wie ein High-School-Absolvent. Ähnliche Renditen erwirtschaften Studierte in Deutschland. Warum sollten die nicht das kostbare Gut Bildung als Investition betrachten?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 14 vom 1.4.2015.

Dass die Stanfords nur für die Reichen da seien, ist eine deutsche Mär. Die Zulassung ist "need-blind" und hängt nicht vom Einkommen ab. 60 Prozent kriegen Zuwendungen. Nur: Inzwischen kostet ein Jahr 60.000 Dollar, eine absurde Summe. Aber denken wir weiter: Warum sollte nicht Hamburg wie ein Museum und Orchester Eintritt verlangen, die Absolventen anzapfen, Spendenkampagnen organisieren? Wie Cambridge, das eine Milliarde Pfund einsammelte, als der Staat zu geizen begann.

Universitäten konkurrieren nunmehr weltweit. Der Präsident von Hamburg aber will gar nicht: "Wir werden wie alle deutschen Universitäten nie auf Harvard-Niveau kommen." Wieso sind dann der deutsche Sport, die E-Musik und der Autobau Weltspitze? Weil die sich dem gnadenlosen globalen Wettbewerb aussetzen.