Nein, in der Schweiz muss niemand fürchten, im Fall der Fälle auf einer Notpritsche im Spitalflur zu landen, weil gerade kein Bett frei ist. Im Gegenteil: In den 171 Schweizer Akutspitälern stehen zwei von zehn Betten leer. Besonders schlecht ausgelastet sind die Regionalspitäler. Das schreibt die NZZ am Sonntag in ihrer jüngsten Ausgabe, für die sie Daten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ausgewertet hat. Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssten die Betten aber an 85 Prozent aller Tage belegt sein.

Damit wird wieder einmal deutlich, was schon lange niemand mehr bestreitet: Es gibt zu viele Spitäler in der Schweiz. Das kostet nicht nur unglaublich viel Geld. Nein, es schadet auch den Patienten.

Viele Spitäler, besonders die kleinen Häuser, führen einzelne Eingriffe zu selten durch. Dabei weiß man: Bestimmte Operationen führen seltener zu Komplikationen oder Todesfällen, je routinierter ein Behandlungsteam ist. Das gilt zum Beispiel für Operationen am Herzen, für den Ersatz von Hüft- oder Kniegelenken, Kaiserschnitte, die Behandlung von Schlaganfällen – oder die Entfernung der Bauchspeicheldrüse, ein besonders heikler Eingriff.

Heute dürfen diese Operation nur noch jene Spitäler vornehmen, die eine Mindestzahl von zehn Eingriffen pro Jahr erreichen. Das entschied 2013 die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) und zog damit den Unmut vieler Institute auf sich.

Das Beispiel zeigt: Medizinische Qualität wird in der Schweiz zwar gemessen. Und die Spitäler geben Millionen dafür aus, Daten zu erheben, Bundes-, Versicherungs- und Qualitäts-Statistiken zu füttern sowie ihre Arbeit akribisch zu dokumentieren. Doch von einem Qualitätswettbewerb kann keine Rede sein. "Jedes Spital wurstelt munter vor sich hin", sagt Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte beim Internet-Vergleichsdienst Comparis. "Und ohne Transparenz bleibt für die Patienten die freie Arzt- und Spitalwahl ein Blindflug."

Das System funktioniert weiterhin nach dem Prinzip: Je mehr ein Spital behandelt, desto mehr verdient es. Ob ein Eingriff tatsächlich nötig ist? Diese Frage steht nicht immer an erster Stelle.