Zum Frühlingsanfang trifft eine Hiobsbotschaft ein: Ein unersetzlicher Teil des österreichischen Selbstverständnisses soll dem Sparstift zum Opfer fallen. Künftig werden Militärkapellen, die ja bekanntlich das Rückgrat des Bundesheeres bilden, nicht mehr in der Lage sein, Marschmusik zu schmettern, weil sie zu kleinlauten Salonorchestern reduziert worden sind.

Das ist so, als ließe man Soldaten ohne Munition in die Schlacht ziehen. Dennoch wird das Marschproblem vom zuständigen Ministerium bagatellisiert. "Es wird der Militärmusik auch in Zukunft möglich sein, ein breites Spektrum an unterschiedlichen Musikstücken vorzutragen", wird frech behauptet. Diese Aussage kann freilich die Besorgnis um den desolaten Zustand der Streitkräfte nicht zerstreuen. Das "breite Spektrum", von dem da die Rede ist, kann vielerlei bedeuten. Aber wozu soll eine Gardemusik gut sein, die lediglich Cha-Cha-Cha, Slowfox oder Wanderlieder im Repertoire hat? Das kann jede beliebige Tanzcombo auch.

Der Marsch hingegen ist die Königsdisziplin des nationalen Musikschaffens, er allein bürgt für Disziplin und Gleichschritt. Wenn es nun in jedem Bundesland nur mehr 20 uniformierte Musikanten geben soll und selbst die Gardemusik auf bloß 50 Instrumentalisten ausgedünnt wird, fragt man sich schon, wer demnächst einem Staatsgast ordentlich der Marsch blasen soll.

Furchtbar die Vorstellung, ein in letzter Not zusammengetrommeltes Trio könnte mit Melodica, Triangel und Blockflöte die Nationalhymne neben dem roten Teppich säuseln. Oder gar a cappella Adieu, mein kleiner Gardeoffizier trällern. Welch Schande für die Kulturnation Österreich! Wird dann auch der Radetzkymarsch am Kamm geblasen oder gar durch das Playback eines alten Neujahrkonzertes ersetzt? Obwohl, das wäre vielleicht ein Ausweg. Das Land hat genügend arbeitslose Schauspieler und einige davon sicher mit Gardemaß. Warum also nicht Militärmusikdarsteller ausbilden und sie mit geliehenen Instrumenten ausstatten? Die Philharmoniker vom Band, und niemand merkt, was hier gespielt wird.

Leider ist dieses Armeetheater nicht auf das gesamte Heer übertragbar, da bei Katastropheneinsätzen weiterhin echte Soldaten erforderlich sind. Aber in Generalstab und Ministerium hat der Mummenschanz bereits Einzug gehalten. Dort dilettieren längst Entscheidungsträgerdarsteller als Streichensemble in der beliebten Farce Schmierenkomödie der Irrungen.