Im Internet lässt sich heute alles vergleichen. Egal, ob Rasierschaum, Rasenmäher, Racletteöfeli, das Strandhotel für den nächsten Ibiza-Urlaub oder die neue Hypothek fürs Eigenheim. Der Konsument ist König. Doch wenn es um die eigene Gesundheit geht, wird aus dem Kunden ein Bittsteller, der zu zahlen – und nicht zu fragen oder zu vergleichen hat.

Wieso eigentlich?

Seit 2012 gilt in der Schweiz die freie Spitalwahl. Den Patienten stehen 300 Krankenhäuser an 500 Standorten zur Verfügung mit 140.000 Ärzten, Pflegerinnen, Röntgenprofis, Physiotherapeuten, Operationstechnikerinnen und anderen Fachleuten. Doch in welchem Spital beherrschen die Profis ihr Handwerk am besten? Wo sind die Chancen am größten, heil und gesund zu werden? Oder zumindest nicht kränker als zuvor?

Wer das als Patient vor seinem Spital-Eintritt herausfinden will, der muss Hunderte Berichtseiten durchackern, komplizierte Statistiken vergleichen, medizinisches Fachchinesisch verstehen – und wird am Ende trotzdem scheitern.

Nehmen wir das fiktive Beispiel von Hugo Sommer. 68 Jahre alt, pensionierter Lastwagenchauffeur, alleinstehend und kinderlos, hoher Blutdruck. Übergewicht plagt ihn und seit Jahren eine schmerzhafte Hüftarthrose. Nun braucht er ein neues Hüftgelenk. Er muss ins Spital. Ein Schicksal, das in der Schweiz, statistisch gesehen, zwölf von hundert Personen mindestens einmal im Leben droht.

Wo soll sich Herr Sommer operieren lassen? Im kleinen Regionalspital? 30 Kilometer weit weg von daheim im Universitätsspital? Oder gar in einer spezialisierten Klinik?

Vor fünf Jahren hätte Herr Sommer einfach seinen Hausarzt gefragt – und getan, was dieser ihm geraten hätte. Doch der Arzt, der ihm vierzig Jahre lang bei jeder Grippe die richtigen Pillen und Sirupe verschrieben hat, ist pensioniert, die Praxis geschlossen. Zwar hat Herr Sommer im nahen Städtchen einen neuen gefunden, einen jungen, netten Österreicher. Aber ihm blind vertrauen bei so einer wichtigen Entscheidung? Nein. Er hat den Mann ja erst zweimal gesehen.

Was also soll Herr Sommer tun?

Besuch bei Margrit Leuthold in Zürich. Auf dem großen, weißen Sitzungstisch stehen Guetzli-Schalen. In einer Stunde wird eine neue Mitarbeiterin begrüßt. Die sechzehnte. Die Arbeit der Stiftung Patientensicherheit Schweiz ist gefragt.