Lassen wir beiseite, ob das Abkommen (es sind nur "Eckpunkte") die iranische Bombe verlangsamen oder verhindern kann. Betrachten wir lieber den Donnerkeil, den Staatsführer Chamenei eine Woche nach dem "Durchbruch" niederfahren ließ. Die Attacke ist ein Klassiker der Verhandlungskunst, wie sie das Team Obama nicht beherrscht. Die Grundregeln kann man im Basar (persisch: "Markt") lernen.

Regel 1: Tue so, als wäre dir eine Übereinkunft egal. Chamenei gab den Zwillingsbruder seines Todfeindes Netanjahu: "Keine Vereinbarung ist besser als eine schlechte." Dagegen das Mantra der Kerry-Truppe: "Das ist der beste Deal, der zu haben ist." Derweil Chamenei den Preis hochtreibt, strecken die Amerikaner alle viere, etwa: Wir wissen, dass wir mehr nicht kriegen können. Wer hat hier wohl die Oberhand?

Regel 2: Im Basar verliert, wer nicht bereit ist, den Laden zu verlassen. Abgebrochen haben die Iraner seit 2003 immer wieder. Selbst als die Amerikaner 2009 einstiegen, hat Teheran eine Runde nach der anderen auslaufen lassen – wie der gewitzte Kunde, der den Händler unter Zugzwang setzt: "Dieser Teppich taugt nichts; ich sehe mich mal anderswo um." Chamenei stellt selbst die "Fortsetzung der Gespräche" infrage. Es sei nicht "das Ende der Welt", wenn der nächste Termin, der 30. Juni, nicht eingehalten werde.

Regel 3: Gib vor, dass es dir gar nicht um den Teppich geht, sondern um Größeres. "Entscheidend", so Chamenei, "ist die Wahrung der Würde Irans." Also: Ihr müsst schon sehr viel drauflegen, damit unsere Ehre nicht verletzt wird. Dagegen verbreiten die Amerikaner hartnäckig Optimismus und setzen sich so unter Erfolgszwang. Obamas Amtszeit endet im Januar 2017.

Regel 4 ist die Taktik "Guter Bulle, böser Bulle", etwa: "Ich bin ja auf deiner Seite, aber mir sitzt leider mein Boss im Nacken." Der Chef heißt Chamenei, und der hat regiegemäß die Eckpunkte weggewischt und den Preis gewaltig erhöht. Die Sanktionen müssten sofort weg und nicht stufenweise. Dann: Militäranlagen sind für die Inspektoren tabu – genau die Orte, wo der Bombenbau erprobt würde.

Obama hat diese Uralt-Taktik nicht beherzigt, sondern verschenkt, indem er seine eigenen "bösen Bullen" – die Kritiker im Senat – mundtot zu machen versuchte, als er sie als Saboteure verteufelte. Damit gab er ein klassisches Druckmittel aus der Hand – nach der Devise: "Liebe Iraner, wenn ihr mir nicht mehr gebt, werdet ihr mit den Republikanern verhandeln müssen."

Vielleicht gibt es bis zum 30. Juni ein Abkommen, mit dem der Westen 10, 15 Jahre lang leben kann. Nur bleibt der beste Vertrag Papier, wenn Teheran, das seit Schahs Zeiten die Instrumente für den Bombenbau sammelt, tatsächlich Atommacht werden will. Die beiden Ex-Außenminister Kissinger und Shultz bringen es auf den Punkt: "In einem großen Land mit vielfältigen Anlagen und den bewiesenen Fähigkeiten, diese zu verbergen, lassen sich Verletzungen (des Abkommens) kaum aufdecken."

Das stille Fazit kommt aus Israel, das die iranische Bombe schon "eingepreist" hat. Fünf U-Boote hat es schon, 2017 kommt das sechste – Stand der Technik – aus Deutschland in Dienst. Unterwasser-Atomraketenträger sind immun gegen einen iranischen Erstschlag. Die Botschaft: Abschreckung ist besser als das beste Abkommen.