Am Ende ging alles ganz schnell. Mit 48 : 90 verloren die Basketballer der Hamburg Towers am Freitag gegen Würzburg. Sie waren chancenlos, auch bei dieser dritten Partie in der Ausscheidungsrunde um die Meisterschaft der zweiten Basketball-Bundesliga. Als Achtplatzierter der Tabelle mussten sie gegen den Ersten ran – und schieden rasch aus, ohne große Gegenwehr. Das ist ein wenig ernüchternd für den neuen Club. Aber mehr auch nicht.

Denn was für eine Saison haben die Towers hinter sich!

Vor einem Jahr, daran kann man nicht oft genug erinnern, gab es diese Mannschaft noch gar nicht. Der Deutsche Basketball Bund war begeistert, dass in der Metropole Hamburg ein professioneller Basketballverein gegründet wurde. Er wollte den Club in die erste Liga holen, aber es fehlte ein Hauptsponsor. Also wurde es die zweite. Die Vereinsführung um den sportlichen Leiter Marvin Willoughby, Geschäftsführer Pascal Roller und Trainer Hamed Attarbashi holte Spieler, stellte einen Kader zusammen. Die Mannschaft fand sich, bot Spektakel und gewann, sie gewann oft für einen Neuling, der keine Erfahrung hatte, keine Routinen und der mit einem Etat auskommen musste, der zum unteren Drittel der Liga gehörte.

Der sportliche Erfolg tat gut. Er war aber nicht ausschlaggebend dafür, dass die Hamburg Towers so schnell bekannt wurden – und vor allem nicht ausschlaggebend dafür, dass der Verein so sympathisch ist.

Die Towers sind eine Neugründung, ein Club, den es vorher nicht gab. Das ist im deutschen Sport eine denkbar schlechte Voraussetzung, um Begeisterte zu finden, die den Verein vorbehaltlos unterstützen.

Denn das höchste Gut des modernen Profisports ist eines der wenigen Dinge, die sich nicht kaufen lassen: Tradition. Im Fußball fühlen sich nur deshalb die Fans von Alemannia Aachen einem Verein wie dem VfL Wolfsburg überlegen, weil der eigene Club eine 114 Jahre alte Geschichte hat und Wolfsburg eine mit VW-Millionen zusammengekaufte Mannschaft ist – auch wenn Aachen in der Regionalliga spielt und Wolfsburg auf dem zweiten Platz der Bundesliga steht.

Wolfsburg ist auch deshalb ein gutes Beispiel, weil der Mechanismus, der im Fußball greift, auf andere Sportarten übertragbar ist, gerade in Hamburg. Denn hier gab es vor den Towers schon zwei Vereine, die neu in die Stadt kamen und ähnlich wie Wolfsburg mit Geld, Stars und einer gleich um die Meisterschaft konkurrierenden Mannschaft überzeugen wollten: den Eishockeyclub der Hamburg Freezers und die Handballer des HSV. Die Freezers kamen aus München, finanziert von einem amerikanischen Milliardär. Die Handballer des HSV kamen aus Bad Schwartau, finanziert von einem Ahrensburger Millionär. Beide mieteten die O₂ World und kalkulierten damit, Zuschauer mit Erfolg anziehen zu können.

Der Blick auf die Freezers und die Handballer des HSV macht deutlich, wie anders die Towers sind: Sie haben keinen Financier. Sie wurden nicht aus einer anderen Stadt verpflanzt. Sie kommen aus Wilhelmsburg und sind ohne diesen Stadtteil nicht denkbar, denn ihre wichtigste Währung ist nicht der Erfolg. Ihre Währung ist die Identifikation.

Als Sportchef Marvin Willoughby vor zwei Jahren anfing, für seinen Verein zu werben, ging es natürlich um den Sport; vor allem aber ging es ihm um die Idee, Spitzensport mit einem Sozialprojekt zu verbinden. Die Towers sollten ein Team werden, dessen Spieler nicht die Saison in weltweit austauschbaren Hilton-Hotelbetten verbringen, sondern die südlich der Elbe leben und arbeiten. Die Towers sollten ein Verein sein, dessen Trainer und Sportchefs in Schulen gehen und den Kindern nicht nur Basketballspielen, sondern auch Regeln fürs Leben beibringen.

Marvin Willoughby hat es geschafft. In einer Saison. Das ist eine große Leistung.

Die Hamburg Towers sind kein anonymer Retortenclub. Sie sind einer der coolsten Vereine der Stadt, zu dem auch die Jungen und Hippen aus allen Stadtteilen kommen, aus Schleswig-Holstein und aus Niedersachsen. 3001 Zuschauer passen in die ehemalige Blumenhalle der Internationalen Gartenschau, in der die Towers spielen. Sie war meist ausverkauft. Der Schnitt lag bei 2800. Vor der Saison, als sie den Etat planten, mussten sie kalkulieren, mit wie vielen Zuschauern sie rechnen. Sie schrieben: 1100.