"Möchten Sie Wasser zum Essen?", wird man neuerdings in den Restaurants von San Francisco oder Los Angeles gefragt. Früher bekam der Gast das Leitungswasser immer kommentarlos hingestellt. Eine von vielen Maßnahmen, die Gouverneur Jerry Brown seinem kalifornischen Volk verordnet hat. In Städten und Gemeinden soll der Wasserverbrauch um 25 Prozent sinken, weil der Staat von der größten Dürre seit Menschengedenken heimgesucht wird.

Aber selbst wenn dieses Ziel erreicht würde – den Gesamtverbrauch würde das nur um wenige Prozent senken. Stattdessen, sagen Umweltschützer, sollte der ausgetrocknete Staat aufhören, Wasser in riesigen Mengen zu exportieren, zum Beispiel nach China.

Nein, es fahren keine Tankschiffe voller Wasser nach Asien. Der Export ist "virtuell": China kauft den kalifornischen Farmern jedes Jahr einen großen Teil ihrer Mandelproduktion ab. Und die Herstellung einer einzigen Mandel verschlingt etwa eine Gallone Wasser, 3,8 Liter. Auf diesen boomenden Anbau entfällt ein Zehntel des kalifornischen Trinkwassers, dreimal so viel wie auf die Millionenstadt Los Angeles.

Natürlich geht es nicht nur um Mandeln, sondern um die gesamte Landwirtschaft, die 80 Prozent des Wassers verbraucht. Das Beispiel ist deshalb so erhellend, weil niemand ernsthaft behaupten kann, der Anbau habe irgendetwas mit der Volksernährung zu tun. Mandeln werden produziert, weil man mit ihnen pro Hektar mehr verdienen kann als mit jeder Feldfrucht. Die Plantagen gehören auch nicht einfachen Bauern, sondern Investmentfirmen und Hedgefonds. Die Mandelproduktion boomte im vergangenen Jahrzehnt, Kalifornien liefert vier Fünftel der Weltproduktion.

Das alles macht die Sache nicht verwerflich, niemand will die Planwirtschaft auf dem Acker einführen und den Landwirten vorschreiben, was sie anzubauen haben. Und auch die Rechnung mit dem virtuellen Wasser ist natürlich erst dann vollständig, wenn man das Wasser dagegenrechnet, das etwa in (aus China) importierten Mobiltelefonen steckt. Nur kann man mit solchen Kalkulationen nicht die trockengefallenen Talsperren Kaliforniens wieder auffüllen. Die Ressource Wasser müsste, ganz marktwirtschaftlich, endlich einen Preis bekommen. Noch ist es praktisch kostenlos. Bauern bekommen nicht nur billiges Wasser aus den Reservoirs, sondern dürfen auch ohne besondere Genehmigung das Grundwasser auf ihrem Land anbohren und ausbeuten.

Diese Praxis müsste Gouverneur Brown ändern, um wirklich einen Schritt zu einer dem Klima angepassten Wirtschaft zu tun. Es gibt dafür längst Konzepte, die weder die Agrarwirtschaft ruinieren noch das Volk auf Zwangsdiät setzen. Hätte er dazu den Mut, dann könnte im Restaurant auch wieder das Wasser auf den Tisch gestellt werden. Das ist nämlich eigentlich ganz gesund und auch ökologisch sinnvoll.