Der Fragesteller dieser Woche lebt an der niederländischen Grenze, und er hat wahrscheinlich schon viele Erfahrungen mit den kehligen Lauten der Nachbarinnen von drüben gemacht. Aber sprechen die wirklich tiefer als deutsche Frauen, oder klingt das Niederländische nur so?

Unabhängig von den Vokalen und Konsonanten einer Sprache hat jede Sprechstimme eine Grundfrequenz, eine Art musikalischen Grundton. Den bestimmt die Anatomie, genauer gesagt die Länge der Stimmlippen, zweier von Muskeln durchzogener Gewebestrukturen im Kehlkopf.

Männer haben längere Stimmlippen als Frauen und sprechen deshalb tiefer. Aus physikalischen Gründen sollte die durchschnittliche Grundfrequenz bei den Männern etwa 100 Hertz betragen, bei Frauen etwa 170 Hertz. Auf das männliche Geschlecht trifft das auch zu, für die Frauen hingegen haben Untersuchungen teils viel höhere Werte ergeben: 200 Hertz in Deutschland, 210 Hertz für das britische und 214 Hertz für das amerikanische Englisch. Italienerinnen sprachen mit 224 Hertz, Japanerinnen mit 225.

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Diese Unterschiede sind auch kulturell bedingt. In Japan gilt eine hohe, kindliche Frauenstimme immer noch als Ideal. In westlichen Ländern hat sich dieses Ideal in den vergangenen Jahrzehnten um 20 Hertz nach unten verschoben – am weitesten offenbar in den Niederlanden: Dort sprechen die Frauen mit 191 Hertz, also tatsächlich tiefer (und somit natürlicher) als Frauen anderer Nationalitäten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 17 vom 23.4.2015.

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