Die Tageskarte verspricht eine Menge, eine Menge natürlicher Zahlen: "460, 660, 670, 580, 670, 690, 640". Es handelt sich um die Zuschnitte des heute empfohlenen australischen Rindfleischs aus der Rippe, exakt mit Grammangabe. Ja, schon wieder ein neues Edel-Steakhaus, frisch eröffnet im kulinarisch bis jetzt unauffälligen Grand Elysée Hotel.

Als "Ruhmeshalle" des Fleisches versteht sich das Theo’s, und damit das auch keinem Gast entgeht, thront in der Mitte des mit viel Holz und Kerzenlicht verwohnlichten Saals alttestamentarisch ein goldener Bulle. Doch es gibt einen besseren Grund, den Anspruch ernst zu nehmen. Theo ist der zweite Vorname des Steakhaus-Veteranen Eugen Block. Seinem Konzern gehört das Hotel; seine Tochter Christina führt das Restaurant.

Eine Warnung an Block-House-Kundschaft: Hier kostet es deutlich mehr. Auch einen gewissen Stolz verrät die Karte: "Unsere Steaks werden medium bis rare serviert." Das hindert den Mann am Nebentisch allerdings nicht, seines trotzdem durch zu bestellen. Vielleicht hatte er Mitleid mit dem 800-Grad-Spezialofen, der jetzt ausnahmsweise richtig Gas geben kann. Ansonsten verrät das Angebot kaum eine Extravaganz: Tatar und teures Seafood, Steakgerichte im Baukastenprinzip – fast alles davon bekäme man auch im Henriks hinter dem Hotel.

Die Verpflichtung ist, besser zu sein. Ob das gelingt, bleibt spannend – auch nach zwei Vorspeisen. Das kleine Carpaccio zum Beef Tea ist hübsch, aber undurchdacht. Kein noch so würziges Fleisch besteht roh neben seinem (etwas zu lange) eingekochten Konzentrat.

Der Caesar Salad wird vor den Augen des Gastes angerührt. Wozu? Der junge Koch improvisiert geschickt: "Damit wir uns mal sehen und Sie mir solche Fragen stellen können." Ähnlich präsentieren sich die Kellner – nicht amerikanisch, wie die Haus-"philosophy" es vorsieht, sondern im guten Sinne deutsch: natürlich und flexibel.

Vielleicht grinst man eine Sekunde über die zeremonielle Betrüffelung der Croûtons auf dem Salat. Doch schon beim ersten Bissen schmeckt man, dass alle Zutaten wirklich knackfrisch und sorgsam ausgewählt sind. Die ungewohnt sauren Anchovis unterstreichen das noch.

Damit genug Fisch; für den kommt man nicht her. Sondern für etwas wie das Rinderfilet aus der Uckermark, eigene Zucht, 40 Tage trocken gereift und auf den Punkt rare gebraten. Fast so hoch wie breit liegt es auf dem Teller, federnd und saftig, wenn man durch die Kruste pikt. Morgen ist einem das vielleicht wieder peinlich, dieser Kult um das beste Fleisch. Heute freut man sich, dass man es hat. Dass es anderen auch so geht, verbürgt das Gästebuch. "Fleisch ist unser Gemüse", schreibt da ein Mann, und eine Frau: "Ich liebe ES."

Den frischen Meerrettich lobt da keiner. Dabei verrät es Kennerschaft, das klassische Schmorfleisch- und Fischgewürz auch zum Steak zu reichen, wo es hervorragend passt. Genau wie die verwegene Mischung von Spinat und Erdnussbutter als Beilage. Hier schmeckt man Erfahrung mit der richtigen Prise Experimentierfreudigkeit. Brauchte Hamburg noch ein Steakhaus? Ja, so eines schon.

Theo’s im Grand Elysée Hotel, Rothenbaumchaussee 10, Rotherbaum. Tel. 41 41 28 55, www.theos-hamburg.de. Geöffnet dienstags bis samstags ab 18 Uhr. Hauptgerichte um 40 €.