Im Hamburger Hafen kommt so mancher Schund an, den niemand braucht. Die Ware allerdings, die in der vergangenen Woche angeliefert wurde, ist bei einigen Zeitgenossen ziemlich beliebt und aus Sicht der Ordnungshüter gerade deshalb Schund: 257 Kilogramm Kokain stellte der Zoll sicher, reinsten Stoff aus Argentinien, versteckt in einem Container mit Erdnüssen. Verschweißt in bunter Plastikfolie, frischeverpackt für den sofortigen Gebrauch.

Für den Zoll war das eine große Sache. Er findet nicht alle Tage so viel Stoff in einer Fuhre. Um genau zu sein: zuletzt 2011. Daher war es nicht verwunderlich, dass sich die Aufspürer feiern ließen. Als die Medien kamen, stellten sie einen Klapptisch auf, stapelten die handlichen Barren übereinander und positionierten zwei Bewacher mit Sturmmaske neben dem Fund. Der Chef des Zolls stand dahinter und hielt, mit türkisfarbenen Handschuhen ausgestattet, die Beute in die Kameras.

Es war ein Fest, das schnell verging. Am Ende bedankte sich der Zoll und packte alles wieder ein. Das Kokain hatte seinen Dienst getan (nicht an der Nase seiner Benutzer, sondern an den Augen der Öffentlichkeit) und wird wohl bald, ordnungsgemäß, verfeuert.

Die Frage ist nur: Wo?

Wenn man es genau nimmt, kann es dafür in Hamburg nur einen Ort geben. Er liegt im Osten der Stadt und ist höchst umstritten: das Kraftwerk Moorburg. Das Kraftwerk zeichnet sich dadurch aus, dass es einen ganzen Haufen Kohle verfeuert. Ein Brennstoff wiederum, der aus Kohle hergestellt wird, heißt Koks. Wobei wir, allein phonetisch, wieder ganz nah dran am Kokain wären. Es wäre doch eine Wonne, dabei zuzusehen, wenn Vertreter des Zolls mit den Barren Kokain zum Kraftwerk fahren, das weiße Puder in den Verbrennungsschlund werfen und dabei singen: "Mutter, die Männer mit dem Koks sind da."