Die Autobiografie der Schauspielerin und Regisseurin Anjelica Huston heißt Das Mädchen im Spiegel. Leider ist das Buch ein blinder Spiegel. Es genügt eben nicht, dass eine ein glamouröses, aufregendes Leben hat, sie muss es auch aufschreiben können.

Anjelica Huston gehört zu den Hollywood Royals: Ihr Vater war der große Regisseur, Schauspieler und Weiberheld John Huston. Über ein Jahrzehnt war Anjelica mit dem großen Schauspieler und Weiberhelden Jack Nicholson zusammen. In der Mafia-Komödie Die Ehre der Prizzis sind alle drei vereint: die Jungen als Schauspieler, der Alte als Regisseur. Anjelica selber war immer eine aparte Erscheinung, sie hatte ein aufregendes Gesicht, das an Charakter gewann, weil es keinem klassischen Schönheitsideal entsprach. Sie war exzentrisch, ekstatisch, sie hat nichts ausgelassen – ein Leben auf der Überholspur, wie sie selber sagt. Immer umgeben von männlicher Virilität, von einem Dunstkreis aus Testosteron. Ihr Vater war ein Kerl, genusssüchtig, draufgängerisch, den Luxus liebend und für keine Konvention zu haben – der Meistesser, um ein hübsches Wort von Norbert Elias zu gebrauchen, rücksichtslos und liebenswert zugleich. Kaum hatte Anjelica das Licht der Welt erblickt, ließ der Vater ihre Mutter auch schon sitzen. Anjelica selbst ist diesem Männertypus ihr ganzes Leben treu geblieben. Das war nicht immer einfach.

Guter Stoff für eine pralle Autobiografie. Aber Anjelica Huston fällt einfach kein interessanter Gedanke zu ihrem hochinteressanten Leben ein. Es raschelt das Papier, das Strukturprinzip ist Namedropping, am laufenden Band treten sehr schöne und sehr berühmte Leute auf, und Anjelica Huston versäumt nie, zu erwähnen, dass es sich dabei um sehr schöne und sehr berühmte Leute handelt – und wir glauben gerne, dass alle diese schönen und genialen Leute ein intensives Leben geführt haben, nur leider tun sie es nicht auf den Seiten dieser Autobiografie.