Ein Rechtsstreit, der noch durch die Instanzen läuft, provoziert normalerweise keinen Flotteneinsatz. Umso weniger, als es bei der Maersk Tigris um bescheidene 163.000 Dollar geht, die Teheran von deren Eigner fordert. Diese Geldforderung beschäftigt die Gerichte seit zehn Jahren. Vor wenigen Tagen kaperte nun die iranische Marine die Tigris im Golf von Persien. Die UN-Konvention erlaubt einem Küstenstaat Zwangsmaßnahmen nur in einem Fall: wenn die Schulden "während der Passage" eines Schiffes – also hier und jetzt – entstanden sind.

Folglich geht es um Größeres, wenn die Iraner ihre Vorherrschaft im Golf beweisen und plötzlich US-Zerstörer aufkreuzen, um Schiffe unter US-Flagge vor iranischen Schnellbooten zu schützen. Auch dieser Aufmarsch ist eine Machtdemonstration – schon die zweite. Die Flugzeugträger-Gruppe, die vor zwei Wochen an den Golf vorrückte, sollte die Chameneiisten davon abschrecken, den Huthi-Rebellen im Jemen moderne Waffen zu liefern.

Drittes Indiz: Pentagon-Chef Ashton Carter hat die Rhetorik hochgeschraubt. "Wir haben Optionen", ließ er wissen. Dann: "Wir schätzen es nicht, wenn irgendjemand (im Jemen) das Feuer anbläst." Obama fügte hinzu, die Entsendung des Trägers Theodore Roosevelt sei eine "sehr direkte Botschaft" an Teheran.

Wer eins und eins zusammenzählt, könnte ein Muster ausmachen: Amerika verschiebt die Gewichte in seiner Iranpolitik. Jahrelang war Obama auf die frommen Revolutionäre zugegangen, um "Wandel durch Annäherung" auf Amerikanisch auszuprobieren. Die "militärische Option" gegen das Atomprogramm fiel vom Tisch, Irans Recht auf Uran-Anreicherung wurde anerkannt. Amerikas Truppen verschwanden aus dem Irak, ihre Präsenz in Afghanistan schrumpfte auf Sockelstärke zusammen. Israelis und Saudis waren nicht amüsiert.

Jetzt lädt Obama Saudis und "Gulfies" nach Camp David ein, wo Sicherheitsgarantien sowie hochmoderne Waffen wie der Kampfjet F-35 auf dem Programm stehen. "Wir werden für unsere Freunde da sein", beteuert Obama, um den sunnitischen Mächten die atomare Gegenrüstung auszureden. Auch sein Intimfeind Netanjahu wird das Beste aus dem US-Zeughaus kriegen. Es ist aber nur eine Kurskorrektur, keine Kehrtwende.

Die Korrektur ist zugleich ein Tribut an die Real- und Machtpolitik, die Obama so gern überwunden hätte. Russland, China und der Iran haben seinen weichen Kurs als Schwäche und Selbsteindämmung ausgelegt. Doch die Porträts von Kissinger und Richelieu werden jetzt bestimmt nicht im Oval Office aufgehängt. So ist Obama nicht gestrickt; er wird sich in den kommenden 18 Monaten nicht in einen Nixon oder Bush verwandeln, die reichlich von der Macht Gebrauch gemacht haben.

Es ist ein Akzent-, kein Strategiewandel – Pragmatismus mit einer geballten Faust. Die andere Hand bleibt ausgestreckt, will Obama doch in die Geschichte als Präsident eingehen, der die atomaren Ambitionen des Irans zumindest eingehegt hat. Es ist die alte Politik unter Beimischung von Flugzeugträgern und Verbündetenpflege. Die Iraner werden verstehen, dass die kalkulierte Machtprobe zum Geschäft gehört. Sie machen es genauso im Wechselspiel von artiger Geste und auftrumpfender Gebärde. Abenteurer sind sie nicht.