Alfred Dorfer © Foto: Peter Rigaud

Es gibt Sätze, die diese Republik geprägt haben. "Österreich ist frei!" ist beispielsweise so eine Kernsentenz, die derzeit wieder häufig in den Ohren hallt, weil vor 60 Jahren mit diesem Jubelruf das Hier und Heute begründet wurde.

"Es ist alles sehr kompliziert!", lautet ein anderer Evergreen, der die österreichische Wirklichkeit sehr schön auf einen knappen Sachverhalt fokussiert.

Nun bekamen aber diese ehernen philosophischen Grundweisheiten Konkurrenz. Im Rahmen des parlamentarischen Hypo-Untersuchungsausschusses fiel ein Satz, der wohl als eine weitere ewige Wahrheit in den österreichischen Zitatenschatz eingehen wird: "Vielleicht hab i Sie net verstanden, weil i Sie schlecht versteh." Das sollte man sacken lassen. Man kann also Dinge verstehen oder nicht verstehen. Man kann jedoch offensichtlich Dinge auch schlecht oder gut verstehen. Das mag für Menschen außerhalb des österreichischen Kulturkreises vielleicht schwer verständlich sein – aber es macht frei. Manchmal sogar frei von Verantwortung.

Natürlich werden jetzt die besonders pedantischen Menschen einwenden, Freiheit ohne Verantwortung wäre Willkür. Aber dieser Gedankengang führt am Kern der Materie vorbei. Denn um Österreich gut verstehen zu können, muss man wissen, dass erst Verantwortungslosigkeit so richtig frei macht. Der Ausruf "Österreich ist frei!" wäre dadurch hinlänglich erklärt.

Aber wie steht es um den Verstand? Das Paradoxe ist, dass Dinge nicht zu verstehen durchaus vernünftig sein kann. Vor allem, wenn es darum geht, bei Untersuchungsausschüssen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das verstehen wir, ohne dafür Verständnis aufzubringen. Andererseits ist Verständnis eine Form des Entgegenkommens. Und genau darum ging es wiederum in erster Linie bei der Hypo. Man kam sich entgegen, wo immer es nur möglich war. In der Hoffnung, es würde niemals auffliegen.

Das ist natürlich entgegen jeder Vernunft, aber durchaus gut zu verstehen. Bleibt lediglich die Frage offen, ob es überhaupt vernünftig ist, hinter dem Ganzen so etwas wie einen Plan erkennen zu wollen. Denn das Einzige, was wir verstehen sollten, und zwar sehr gut verstehen sollten, ist, wer dafür letztlich aufkommen muss. Unverständlicherweise. Ja, wie gesagt, es ist alles sehr kompliziert im freien Österreich.