Die Fanta, eine Brause des Coca-Cola-Konzerns, wurde im Februar 75 Jahre alt. Die Firma brachte einen Werbespot heraus, darin hieß es: "Um das zu feiern, bringen wir das Gefühl der guten alten Zeit zurück." Wer 75 Jahre zurückrechnet, der landet im Jahr 1940. Gute alte Zeit? Es gab einen Shitstorm im Internet, Coca-Cola zog den Spot zurück.

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Was geschah wirklich im Jahr 1940? Aufgrund von Einfuhrbeschränkungen waren in Deutschland die Originalzutaten für Coca-Cola knapp geworden. Da mischte ein findiger Mitarbeiter aus dem, was er gerade bekommen konnte, ein neues Getränk, die Hauptbestandteile waren Molke und Apfelfasern. Die Mixtur wurde Fanta genannt, sie war die einzige Brause, welche die Firma Coca-Cola zwischen 1942 und 1949 in Deutschland verkaufte. Erst später wurde die Marke auf eine Limo mit Orangengeschmack übertragen.

Vielleicht wundern sich manche, dass in der Nazizeit überhaupt ein Produkt von Coca-Cola erhältlich war, die Marke des amerikanischen Feindes hatte ja einen hohen Symbolcharakter. Coca-Cola galt in anderen Ländern als Wahrzeichen für den American Way of Life. Aber das Unternehmen arrangierte sich mit der Diktatur in Deutschland – und machte sogar außerordentlich gute Geschäfte: Zwischen 1933 und 1939 stieg der Absatz von 100.000 auf 4,5 Millionen Kisten. Die Firma war offizieller Sponsor der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, und bei Kriegsbeginn gab es 50 Produktionsstätten in Deutschland.

Die Fanta wurde also nicht von den Nazis erfunden. Aber sie ist das Produkt eines Unternehmens, das sich an das Regime angepasst hatte – und zwar so gut, dass sich deutsche Kriegsgefangene 1945 bei der Ankunft in den USA wunderten, dass es die Brause auch dort gab.

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