Bei seinen Kontrollgängen will Robert Rockenbauer streng sein, aber nicht ungerecht. Der ältere Herr steht an einer Kreuzung in Innsbruck. Er steckt in einer grauen Stoffhose, das Hemd bis oben hin zugeknöpft, und späht mürrisch in die Gassen, als er einen vietnamesischen Schnellimbiss entdeckt.

"Sie sind neu hier, oder?", fragt er. Der schmächtige Mann hinter der Kochplatte bejaht. "Und rauchfrei?" Ja, hier rauche niemand, sagt der Asia-Koch devot. Da hat Rockenbauer schon mit seinen kräftigen Händen ein paar Pickerl aus der Jacke gefummelt. "Sie müssen kennzeichnen!" Der Koch folgt ihm zur Eingangstür. Erst als Rockenbauer sein rotes Rauchfrei-Pickerl auf die Glastür klebt, fragt der Gastronom: "Wer sind Sie eigentlich?" Das tue nichts zur Sache, sagt Rockenbauer forsch. "Sie haben dem Gesetz genüge getan."

Rockenbauer ist auf Antirauchpatrouille. Bei diesen Runden prüft er, ob Wirte ihre Raucherräume abtrennen, und inspiziert sogar, ob die richtigen Pickerl kleben. Die tiefe Stimme und die kurzen grauen Haare lassen ihn seriös, wie eine Autorität wirken. Nicht nur der Vietnamese, fast alle halten ihn an diesem Tag für einen Beamten. Dabei ist er von keiner Behörde entsandt, kein Mann, den ein Gesetz schickt. Robert Rockenbauer fühlt sich einfach nur berufen.

Durch die Medienlandschaft geistert zuverlässig sein Name, wenn es um das Rauchen geht. Rockenbauer befeuert jede öffentliche Verbotsdebatte mit Kritik, Wehklagen und handfesten Anzeigen. Er führt diesen Kampf mithilfe einer eng bedruckten Vereinszeitung, mit Pressekonferenzen, mit Leserbriefen. Und mithilfe seiner umstrittenen Patrouillen. Dann belehrt er Wirte und meldet Uneinsichtige den Behörden.

Seit dem Rauchverbot von 2009, einer österreichischen Lösung, mit vielen Ausnahmen, die Wirte zum Schlawinertum einlädt, streifen zahlreiche Rauchsheriffs durchs Land. Doch Rockenbauer sieht sich nicht als Sheriff, eher als Beschützer der Nichtraucher. Und es gibt noch einen Unterschied: Er stritt schon für ein Rauchverbot, als noch überall Zigaretten qualmen durften, in Flugzeugen, in Fernsehstudios, in Büros und Fabriken.

Im Jahr 1975 saß er in einem Selbstbedienungsrestaurant in Innsbruck und fühlte sich durch den Rauch gestört, seitdem treibt ihn die Vision um, Österreich rauchfrei zu bekommen.

Der blaue Dunst wurde mittlerweile vielerorts verbannt, doch Rockenbauer ist immer noch da. Dabei war es nicht er, sondern die Kampagne Don’t Smoke und deren Leitfigur, der im Jänner an Lungenkrebs verstorbene News-Journalist Kurt Kuch, die Europas Raucherbastion zu Fall gebracht haben. Von Mai 2018 an werden die Österreicher in Cafés und Wirtshäusern nicht mehr rauchen dürfen.

Rockenbauer will dennoch weitermachen. Die Gegenseite gibt ebenso wenig auf. 500 Menschen demonstrierten vergangene Woche, mit Trillerpfeifen und angefeuert von Ex-Ö3-Moderator Mat Schuh und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, vor dem Parlament für ihr vermeintliches Grundrecht, in Gasthäusern rauchen zu dürfen.

Rockenbauer sitzt hinter dem Schreibtisch der christlichen Buchhandlung, die er seit 24 Jahren am Stadtrand von Innsbruck führt, und tobt: "Die Tode Tausender Menschen, Leid und Siechtum nimmt diese Regierung in Kauf." Auch nach Jahrzehnten kann er sich noch in Rage reden. Er gestikuliert dann mit beiden Händen, wird immer lauter, sein Redeschwall ist kaum zu stoppen.