Philip, die Bundesregierung sagt dem Schokoriegel den Kampf an. Künftig sollen Supermärkte nach dem Willen von Union und SPD mindestens eine Kasse ohne Süßigkeiten einrichten, die Sozialdemokraten sprechen sich jetzt sogar für höhere Mehrwertsteuern auf Kekse, Gummibärchen und Bonbons aus. Dürfen die das?

Sie dürfen. Der Mensch ist verführbar – und deshalb ist der Staat gefragt.

Die Regale an der Ladenkasse gehören zu den profitabelsten Zonen eines Supermarkts. Wer wartend in der Schlange steht, der greift gerne noch einmal zu, vor allem wenn er quengelnde Kinder bei sich hat. Das wissen die Lebensmittelkonzerne, und deshalb platzieren sie dort alles, was schön bunt ist und viel Zucker enthält.

Und wenn schon, könnte man einwenden. Niemand wird dazu gezwungen, der Verlockung nachzugeben. Doch so einfach ist es nicht. Der mündige und allwissende Konsument ist eine Fiktion der ökonomischen Lehrbücher. In der Realität sind Menschen anfällig für Überredungskünste aller Art.

Deshalb muss der Staat die Verbraucher in die Lage versetzen, das zu kaufen, was sie eigentlich kaufen wollen – indem er den subtilen Psychotechniken der Süßwarenindustrie etwas entgegensetzt und die Gummibärchen per Dekret dahin verbannt, wo ihr natürlicher Platz ist: in die hinteren Reihen. Ein Verbot der Quengelkassen ist deshalb kein Großangriff auf die individuelle Freiheit, sondern schafft erst die Voraussetzungen für souveräne Kaufentscheidungen.

Es ist auffällig, dass Liberale hierzulande sehr schnell dabei sind, die Begrenzung staatlicher Macht zu fordern, aber weniger Probleme mit unternehmerischer Macht zu haben scheinen. Selbst in den USA – dem Mutterland des Kapitalismus – ist man da weiter. In New York wurde der Verkauf von zuckerreichen Softdrinks im XXL-Format verboten. Die Maßnahme wurde zwar inzwischen von einem Gericht wieder kassiert, aber das Thema bleibt auf der Agenda.

Es stimmt schon: Echte Freiheit muss das Recht einschließen, sich selbst gesundheitlich zu ruinieren. Aber dann muss gewährleistet sein, dass dieser Ruin tatsächlich das Ziel des jeweiligen Handelns ist. Der massenhafte Konsum von Cola und Hamburgern aber dürfte in den meisten Fällen eher das Ergebnis manipulativer Verkaufspraktiken als das Resultat einer ureigenen Willensäußerung sein. Deshalb hat der Staat das Recht und die Pflicht, die Menschen vor sich selbst zu schützen.

Genau so wie er die Pflicht hat einzuschreiten, wenn die Verbraucher mit ihrem Kaufverhalten die Grundlagen der menschlichen Existenz gefährden. Es ist eine Tatsache, dass die Produktion von Fleisch viel Energie verschlingt, weil nur ein Teil des von den Tieren aufgenommenen Futters in Nährstoffe umgewandelt wird. Die Menschheit ließe sich also umweltschonender ernähren, wenn mehr Gemüse gegessen würde.

Das geschieht aber nicht, weil Fleisch, gemessen an den gesellschaftlichen Kosten, die ein übermäßiger Konsum verursacht, zu billig ist. Deshalb sollte der Staat durch eine Sondersteuer dafür sorgen, dass Schnitzel und Koteletts teurer werden. Oder den Kantinen des Landes mindestens einen Veggie-Day verordnen: und zwar nicht auf freiwilliger Basis, sondern unter Androhung von Strafe. Dein Mark

Lesen Sie hier die Antwort von Philip Faigle.