Etwa 50 Studenten wollen erfahren, was einer zu berichten hat, der mehrere Jahre mit policy planning im Weißen Haus an der Seite der damaligen Außenministerin Condoleezza Rice beschäftigt war. Stephen Krasner, ein zierlicher, glatzköpfiger Mann, ist in seinem Element. Er läuft vor der ersten Reihe des Hörsaals herum. Können Sie mich hören? Okay, kein Mikro nötig.

Wieso ist rationale Entscheidungsfindung in der Regierung so schwer? Der Zeitfaktor ist enorm, erklärt Krasner, es gibt immer zu wenig Zeit. Nehmen wir das Beispiel des irakischen Ministerpräsidenten Maliki. Heute fragt sich jeder: Wie konnte man den auswählen? Ganz einfach, man brauchte in einer verfahrenen Situation schnell einen Mann, und er musste Schiit sein.

Dass er eher den iranischen Interessen und nicht den amerikanischen entsprach, das wissen wir heute, doch man schaut immer nur nach vorne im Entscheidungsprozess. Volle Rationalität ist unmöglich.

In der Regierung hat man keine Zeit für das Studium langer Papiere, drei Seiten mit knappen Stichwörtern, mehr geht nicht.

Wenn unsere Forschung dort gar nicht greift, sollten wir dann hier nicht etwas anderes lernen?, fragt ein Student. Ja, sagt Krasner, es gibt diese Ansicht. Ich aber denke, um die dreiseitigen Vorlagen gut hinzukriegen, muss man gelernt haben, Papiere von 30 Seiten zu denken und zu schreiben.

Und hinaus auf den palmengeschmückten Campus ziehen die Studenten auf ihren Longboards und Rädern. Professor Krasner wird am Abend nach Berlin fliegen.

In unserer neuen Kolumne "Hörsaal", die zeitgleich in der gedruckten Ausgabe der ZEIT erscheint, schildern Autorinnen und Autoren der ZEIT Woche für Woche ihre Eindrücke von Vorlesungen an Hochschulen in Deutschland und im Ausland. Wir sind gespannt auf Ihre Diskussionen.

Falls Ihnen eine besonders spektakuläre Vorlesung auffällt, die wir besuchen sollten, dann freuen wir uns über einen Hinweis an: hoersaal@zeit.de.