1. Zu den ersten vier Gesellschaftern des Aufbau-Verlages gehörte ein Mann, der später in der DDR noch Karriere machen sollte: Klaus Gysi, Vater des heutigen Linken-Politikers Gregor Gysi. Klaus Gysi investierte zunächst 5000 Reichsmark in den Verlag, wurde später Abgeordneter der DDR-Volkskammer, 1957 schließlich Verlagsleiter bei Aufbau, ehe er 1966 DDR-Kulturminister wurde.

2. Erster Bestseller von Aufbau war der Kriegsroman Stalingrad . Gesamtauflage: 177 000 Exemplare.

3.Walter Ulbricht forderte 1952 mehr West-Literatur im Aufbau-Programm. Weil sich die Lizenzverhandlungen hinzogen, griff Ulbricht durch: Er wies an, Werke von Thomas Mann und Hermann Hesse drucken zu lassen – obwohl der Verlag dafür noch keine Lizenz erworben hatte.

4. Verleger Walter Janka wurde 1956 in seinem Büro verhaftet. "Auf der Treppe hatten sich viele Mitarbeiter eingefunden, alle Lektoren und Redakteure. Stumm verabschiedeten sie sich von ihrem Chef", schrieb Janka später in seinen Memoiren. Die DDR-Justiz warf ihm vor, "unmittelbarer Hintermann und Teilnehmer einer konterrevolutionären Gruppe" gewesen zu sein. Janka hatte die DDR-Führung kritisiert und Reformen gefordert.

5. Im Jahr 1976 wurde der Verlag ein weiteres Mal Schauplatz eines politischen Großkonflikts. Wolf Biermann war ausgebürgert worden – daraufhin formulierten mehrere landesweit bekannte Schriftsteller ein Protestschreiben. Es wurde von vielen Autoren des Aufbau-Verlages unterzeichnet: Volker Braun, Stephan Hermlin, Sarah Kirsch, Günter Kunert und Christa Wolf. Die SED reagierte darauf mit einem 12-Punkte-Programm: Sie wies den Verlag beispielsweise an, Lektoren verstärkt in marxistisch-leninistischer Lehre zu schulen.

6. Nach dem Mauerfall brachen die Einnahmen des Verlages ein. Der Gewinn lag im ersten Halbjahr 1990 nur noch bei etwa 0,6 Millionen DDR-Mark, ein Jahr zuvor hatte der Gewinn noch knapp vier Millionen DDR-Mark betragen.

7. Für die Treuhandanstalt, die sich nach der Wiedervereinigung um die Privatisierung von DDR-Unternehmen kümmerte, hatte der Aufbau-Verlag eine Sonderstellung. Der Erfolg seiner Mission, verlautbarte Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder, werde sich daran messen lassen, ob es gelinge, drei Unternehmen erfolgreich zu privatisieren: Zu diesen zählte er, neben Carl Zeiss Jena und der Defa, den Aufbau-Verlag. Zwischenzeitlich beauftragte die Treuhand die Unternehmensberatung Roland Berger damit, einen Investor zu finden. Die Wahl fiel auf den Immobilieninvestor Bernd F. Lunkewitz, der 1991 neuer Verleger wurde.

8. Just an jenem Tag, an dem Lunkewitz seine Arbeit als Verleger starten wollte, erreichte ihn – auf dem Weg ins Büro – die Nachricht, dass die Geschäftsräume des Verlages von der Staatsanwaltschaft durchsucht wurden, weil der Verlag zu DDR-Zeiten BRD-Bücher in zu hohen Auflagen nachgedruckt habe. Die Verfahren wurden eingestellt.

9. Den ersten großen Verkaufserfolg nach dem Mauerfall bescherte dem Aufbau-Verlag ausgerechnet Erich Honecker. Um den Jahreswechsel 1990/1991 erschien das Interviewbuch Der Sturz. Erich Honecker im Kreuzverhör . Honecker, der vor dem Interview sein Einverständnis gegeben hatte, wollte das Erscheinen des Buches dennoch kurzfristig verhindern. Er scheiterte bei dem Versuch, eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Das Buch verkaufte sich auf Anhieb 150 000 Mal.

10. "Besser nichts vom Schicksal der Päpstin wissen als das, was Cross den Lesern zumutet" – so zerriss die Mitteldeutsche Zeitung jenes Buch, das später zum größten Erfolg von Aufbau wurde: Die Päpstin von Donna W. Cross, einer amerikanischen Autorin, wurde in Deutschland von Aufbau verlegt, verkaufte sich millionenfach. Sönke Wortmann verfilmte später die fiktive Geschichte des Mädchens, das, als Mann verkleidet, im 9. Jahrhundert in Rom Papst wird. Aufbau hatte eine PR-Kampagne gestartet, in Frauenmagazinen geworben.

Quelle: Carsten Wurm: Gestern. Heute. Aufbau. 70 Jahre Aufbau-Verlag. Aufbau 2015; 255 S., 12 €