Die Begegnung mit Prinzessin Simona muss diesen Heinrich gefühlsmäßig ziemlich aus der Bahn geworfen haben. In Worte gefasst: "Mit jeder Faser seines Seins fühlte er sich zu ihr hingezogen. Er wollte nicht mehr, als sie glücklich zu machen. Ihr Blick von heute Nachmittag und ihre Lippen hatten ihm verraten, dass ihr Glück bei ihm lag, dass er es war, der sie selig machen konnte."

Versuchung pur.

Ein warmer Frühlingstag am Prenzlauer Berg in Berlin. Alle Außenplätze des Cafés sind besetzt, im Inneren herrscht angenehme Ruhe. In einer Ecke mit roten Ledersofas brennen Kerzen. Es wirkt etwas kitschig und etwas romantisch, passend zum Thema, als die Tür aufgeht. Eine Frau mit langen blonden Haaren und rot geschminkten Lippen betritt den Raum, sie trägt einen weit schwingenden rosafarbenen Rock und Brille. Das ist Anna Basener.

Die 31-Jährige zählt hierzulande zu den jüngsten und vielversprechendsten Autorinnen von Groschenromanen, Spezialgebiet Adel. Das sind diese billigen, nicht gerade klischeearmen Herzschmerz-Hefte vom Bahnhofsbuchhändler, die man auch in Zeiten des Euro noch als Groschenromane bezeichnen darf. Es gibt sie auch in den Varianten Western, Krimi und Horror, aber die von Basener handeln von bildschönen Prinzessinnen und hartherzigen Grafen, attraktiven Pfarrern und treuen Hausmädchen.

"Die Leserschaft beginnt bei Anfang zwanzig"

Auch die Gefühlswallungen von Heinrich nach seiner Begegnung mit einer Prinzessin hat Basener zu verantworten. In Prinzessin Simonas schwere Entscheidung verliebt sich eine schwangere Frau aus adeligem Hause in einen angehenden Priester – ebenjenen Heinrich. Basener hat diese Geschichte und mehrere Dutzend weitere unter ihrem Pseudonym Catharina Chrysander geschrieben. Die junge Autorin soll dem angestaubten Genre ein frisches Gesicht geben und zeigen, dass großes Glück für wenig Geld immer noch ein Geschäft sein kann. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in China.

"Ich mochte schon immer Kitsch", sagt sie, lässt sich auf dem Sofa nieder und bestellt einen Milchkaffee. "Wenn andere denken, das sind zu viele Blumen, oder das ist zu viel Rosa und zu viel Gold, kann es mir nie genug sein. Ich finde das spannend."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 22 vom 28.5.2015.

Wie aber kommt man als junger Mensch heute zu so einem Beruf? Basener ist Anfang zwanzig und studiert Kulturwissenschaft in Hildesheim, als sie das erste Mal mit Groschenromanen zu tun hat. In einem Seminar schreibt sie, unter Anleitung einer erfahrenen Autorin, mit fünf Kommilitonen einen Heftroman. Der wird wenige Monate später tatsächlich in der Verlagsgruppe Bastei-Lübbe publiziert.

Für die anderen ist dieses Erlebnis bloß eine Uni-Veranstaltung, für Basener ist es eine Berufung. Sie schreibt ein Exposé und bietet es erfolgreich der Cheflektorin des Verlags an. Weitere folgen, denn sie hat die eisernen Regeln des Geschäfts schnell durchschaut und beginnt sie zu nutzen.