Einst hat der Wilde Westen die Fantasie beflügelt. Wer ihn heute durchstreift – Montana, Utah, South Dakota –, findet vor allem leere Landschaft vor: Kreuzungen ohne Verkehr, der zu regeln wäre, Siedlungen ohne sichtbare Siedler, fahle Straßen wie die Broadway Street in Sheridan, Wyoming (unser Bild), vom Verfall signierte Brachen. Menschen ziehen ziellos wie Präriesträucher durch diese Szenerie. Sieben Jahre lang hat sich der britische Fotograf Tim Richmond immer wieder mit ihnen treiben lassen. Ein zärtlicher Sinn für die Schönheit des Scheiterns prägt seine Bilder. Porträts von Möchtegern-Cowboys und alternden Bardamen, Stillleben zwischen Steckbriefen und Provinzpornografie, eine Studie voll rauer Romantik.