Ein Mann springt mit Schwimmflossen aus einem Flugzeug. Er landet im Meer und taucht zum unterirdischen Eingang einer künstlichen Insel. Dort bringt er einen Sprengsatz an, und bumm: Der Eingang öffnet sich, der Mann sprintet durch ein Labyrinth aus Gängen bis zu einer Panzertür. Die schweißt er mit einem Laserstrahl aus seiner Armbanduhr auf. Dahinter liegt die Atombombe, die er gesucht hat. Ein dickes Ding! Explodiert sie, wird die halbe Welt zerstört. Aber ganz ruhig. Der Mann weiß, was zu tun ist. Er schließt sein Spezialhandy an den Zünder an, entschlüsselt den Code und entschärft die Bombe – drei Sekunden bevor sie in die Luft gegangen wäre.

So oder so ähnlich sieht es aus, wenn der berühmteste Geheimagent der Welt arbeitet. James Bond heißt der, und es gibt ihn nur im Kino. Im Film ist James Bond so etwas wie ein unbesiegbarer Retter der Welt. Aber gibt es Geheimagenten wirklich? Und wenn ja, was machen die in Wahrheit?

Ja, es gibt Geheimagenten, und manche von denen machen tatsächlich ziemlich gefährliche Sachen. Ich habe allerdings auch schon Geheimagenten kennengelernt, deren Tage eher so aussehen: morgens nach dem Frühstück ins Büro fahren, Akten lesen. Gegen zehn Uhr in eine Konferenz gehen. Mittagessen in der Kantine. Einen Kaffee holen, telefonieren. Noch einen Kaffee holen, E-Mails und einen Bericht schreiben. Für die Akte, die morgen ein Kollege lesen soll.

Wie bitte? Beides sollen Geheimagenten sein? Wie passt denn das zusammen?

Um das zu verstehen, muss man erst einmal wissen, wozu Geheimagenten genau da sind. Also: Geheimagenten arbeiten im Auftrag der Regierung, und sie heißen Geheimagenten, weil niemand wissen soll, was sie treiben. Ihr Job ist es, im Ausland Sachen herauszufinden, von denen bestimmte Leute nicht wollen, dass man sie erfährt. Terroristen, die einen Anschlag planen, zum Beispiel. Oder eine andere Regierung, die verbotene Waffen baut und nicht will, dass das herauskommt. Oder eine Firma, die Bauteile für solche Waffen herstellt. Um so etwas herauszufinden, muss die eine Sorte Geheimagenten sich dort herumtreiben, wo solche Dinge geschehen. Diese Geheimagenten kommen bei ihrer Arbeit manchmal in wirklich brenzlige Situationen. Die anderen Geheimagenten sitzen zu Hause in der Zentrale und werten die Informationen aus, die ihnen die Kollegen von draußen schicken.

Der deutsche Geheimdienst, der im Ausland Geheimnisse aufdecken soll, heißt Bundesnachrichtendienst, kurz: BND. Er hat gerade viel Ärger, weil er in Deutschland Gesetze verletzt haben soll, und das darf er natürlich nicht. Das darf er nur im Ausland. Ihr habt richtig gelesen: Agenten dürfen Gesetze brechen und sollen das sogar – solange es nur die Gesetze anderer Länder sind.

Stellt Euch vor, eine fremde Regierung hilft Terroristen dabei, einen Anschlag in Deutschland vorzubereiten. Um diese Pläne zu erforschen, müssen die BND-Leute zum Beispiel versuchen, die Handys der anderen Regierung abzuhören. Oder sich in deren Computer einhacken und vielleicht sogar Dokumente klauen. Oder die Agenten versuchen, jemanden aus der anderen Regierung dazu zu bringen, ihnen die Pläne zu verraten. "Informanten anwerben" heißt das in der Geheimdienst-Sprache. All das ist ziemlich gefährlich, denn wenn die Geheimagenten dabei erwischt werden, können sie im Gefängnis landen.

Einen der größten Geheimdienste überhaupt haben die Vereinigten Staaten von Amerika. Ihr habt den Namen vielleicht schon mal gehört: CIA, sprich Ssi-Ei-Äi. Dieser mächtige Geheimdienst versucht nicht nur, Informationen aus anderen Ländern zu bekommen. Er probiert auch, direkt die Politik anderer Staaten zu beeinflussen, und zwar so, dass es der amerikanischen Regierung gefällt. Zum Beispiel hat die CIA Politikern in fremden Ländern geholfen, an die Macht zu kommen. So etwas darf der deutsche Geheimdienst nicht. Und noch etwas dürfen deutsche Agenten nicht, was amerikanischen erlaubt ist: im Ausland Terroristen töten – oder Leute, die sie für Terroristen halten. Manche Regierungen, zum Beispiel die chinesische, benutzen ihre Geheimdienste auch, um Leute, die anders denken als die Regierung, einzuschüchtern und einzusperren. Das heißt: Was Geheimagenten den ganzen Tag tun und wofür sie eingesetzt werden, das hängt immer davon ab, was ihre Regierung will – und wie skrupellos diese Regierung ist.

In einem Land wie Deutschland, einer Demokratie, in der die Menschen die Regierung frei wählen können, dürfen die Geheimdienste nicht unkontrolliert spionieren und versuchen, anderer Leute Geheimnisse herauszukriegen. Es gibt Politiker, die überprüfen, was der Bundesnachrichtendienst tut und ob die Gesetze das erlauben. Bloß, was machen die Politiker, wenn die Geheimagenten sogar vor ihnen Sachen geheim halten? Dann sind die Politiker ziemlich machtlos.

Genau das ist jetzt passiert. Der Bundesnachrichtendienst soll dabei geholfen haben, dass ein anderer Geheimdienst in Deutschland spioniert, und das ist natürlich nicht erlaubt. Herausgekommen ist das, weil ein Geheimdienst-Mitarbeiter es erzählt hat und Journalisten dann nachgeforscht haben.

Also aufgepasst, liebe Geheimagenten: Nur weil Eure Arbeit geheim ist, heißt das nicht, dass niemand Euch auf die Finger schaut.