Nur eines kommt in Deutschland so verlässlich und regelmäßig wie der nächste Schlussverkauf: die Debatte um die Zukunft der Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt. Stimmen die Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, dürfte die kanadische Handelskette Hudson’s Bay schon in der nächsten Woche ein Angebot zur Übernahme von Kaufhof abgeben. Es wäre wohl das zweite, denn angeblich interessiert sich auch der Österreicher René Benko mit seiner Immobilienholding Signa für die Warenhäuser, die derzeit dem Düsseldorfer Handelskonzern Metro gehören. Folgende Konstellationen könnten sich daraus ergeben.

Variante eins: Benko übernimmt Kaufhof. Für den Österreicher wäre das eine praktische Lösung – und für die deutsche Warenhauslandschaft womöglich auch. Benkos Signa Holding ist nämlich seit vergangenem Sommer auch Eigentümerin von Karstadt. Doch während Kaufhof einigermaßen profitabel ist (siehe Grafik), ist Karstadt ein dauerhafter Sanierungsfall. Gemeinsam könnten sie zu einer Deutschen Warenhaus AG verschmelzen. In Städten mit bisher zwei konkurrierenden Warenhäusern müsste eines schließen. Zum Nutzen des verbleibenden, wie viele hoffen. Arbeitsplätze würde diese Lösung aber dennoch kosten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 22 vom 28.5.2015.

Variante zwei: Hudson’s Bay bekommt den Zuschlag. Das ist ein alter kanadischer Warenhauskonzern, der in seiner Heimat 90 Filialen betreibt. Zu ihm gehören aber auch weitere Ketten, etwa die vor allem in den USA bekannten Luxuskaufhäuser von Saks Fifth Avenue. Bei dieser Lösung bliebe es bei der Konkurrenzsituation in den Einkaufsstraßen. Da Kaufhof im Vergleich zu Karstadt wirtschaftlich besser dasteht, hätte das Unternehmen einen Vorteil. Hudson’s Bay gilt allerdings als Freund von Konzessionsgeschäften innerhalb der Warenhäuser. Flächen in den Filialen werden also an die Hersteller von Markenbekleidung vermietet, die ihre eigenen Verkäufer dort arbeiten lassen. Bei Kaufhof könnte das zu Kündigungen führen, weil dieses Modell mit weniger eigenem Personal auskommt. Die Gewerkschaft dürfte sich dagegen wehren. Offen bleibt auch, ob Benko seine Karstadt-Häuser dann behielte oder doch weiterverkaufte.

Variante drei: Ein Verkauf scheitert. Dann bleibt Kaufhof bei der Metro. Bei Karstadt stünden wohl weitere Sanierungsprogramme an. Erst Mitte Mai hat der Aufsichtsrat verkündet, fünf Häuser in kleineren Städten zu schließen. Beide, also Karstadt und Kaufhof, müssten sich weiter mit einer Frage auseinandersetzen, die man ihnen seit vielen Jahren stellt: wie sie sich im Wettbewerb mit Onlineversendern, spezialisierten Einzelhändlern und riesigen Shoppingmalls an den Stadträndern behaupten wollen. Das ist der eigentlich entscheidende Punkt in der Debatte um die Zukunft der deutschen Warenhäuser.