In der Wirtschaft geht es um Kohle. Das ist nicht überraschend, nur gibt es normalerweise niemand zu. Unternehmen sagen lieber, dass sie nur die Bedürfnisse ihrer Kunden befriedigen. Von Kohle reden sie so gut wie nie.

So gesehen, bildet L’Oréal eine rühmliche Ausnahme. Das möchte ich betonen, weil der Kosmetikkonzern aus dem französischen Clichy recht häufig in dieser Kolumne zu Gast ist. Weit häufiger jedenfalls als sein Konkurrent Beiersdorf, weswegen man mir Parteinahme und Lokalpatriotismus vorwerfen könnte, da Letzterer ja ebenso wie die ZEIT in Hamburg beheimatet ist. Ich bitte da um Vertrauen. Es ist nur so, dass die Franzosen die Grenzen des gesunden Menschenverstandes weit häufiger austesten als die Nivea-Macher aus Hamburg-Eimsbüttel.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 22 vom 28.5.2015.

In Sachen Kohle ist L’Oréal allerdings offensiv. Das fiel mir auf, als ich in der Drogerie mal wieder das Regal für Männerkosmetik besuchte. Dort gehe ich immer hin, wenn ich etwas über männliche Bedürfnisse herausfinden möchte. Konkret: wie ich meine anspruchsvolle Gesichtshaut von "Öl, Schweiß und Unreinheiten" befreie. Das geht überraschenderweise mit Kohle. Beziehungsweise: mit einem L’Oréal Men-Expert-Waschgel "mit Kohle". So steht es groß auf der Tube.

Kohle und Sauberkeit – das kannte ich bisher immer nur bei der Geldwäsche. Dass L’Oréal das schwarze Zeug aus dem Bergwerk meint, hat mich dann doch überrascht, denn soweit ich weiß, entstieg kein Kumpel je frisch gebadet dem staubig-dunklen Schacht. Ich habe mir also lieber ein Stück Seife gekauft. Es macht auch sauber. Und im Vergleich mit der Tubenkohle habe ich sehr viel Geld gespart. Schön zu wissen, dass es L’Oréal und mir um dieselben Werte geht.