DIE ZEIT: Herr Steinert, Herr Filipp, diese Woche machten "Hitlers Pferde" bundesweit Schlagzeilen, als Kunstfahnder in Rheinland-Pfalz mehrere Skulpturen aus der NS-Zeit beschlagnahmten. Wie kommt es, dass Fotos der Pferde plötzlich hier, in einer Galerie in der Leipziger Spinnerei, hängen?

Thomas Steinert: Ich habe die Bilder vor mehr als 30 Jahren gemacht, sie zeigen drei Bronzefiguren auf einem Sportplatz in Eberswalde: eine Pferdestatue von Josef Thorak und zwei heroische deutsche Athleten von Arno Breker ...

ZEIT: Breker und Thorak galten als Hitlers Lieblingsbildhauer, sie hatten sich dem NS-Regime angedient, Staatsaufträge erhalten.

Steinert: Ja. Das Pferd, das Sie da auf meinen Fotos sehen, ist eines von zwei Pferden, die Josef Thorak für den Vorplatz der Reichskanzlei in Berlin gefertigt hatte. Angeblich hat Hitler sie von seinem Arbeitszimmer aus sehen können. Nach dem Krieg geriet eines dieser Pferde auf irgendwelchen Wegen nach Eberswalde und stand über viele Jahre am Rande dieses Sportplatzes.

ZEIT: Seit dem Mauerfall galten beide Pferdeskulpturen dann als verschollen.

Josef Filipp: Und nun, vor wenigen Tagen, tauchten sie auf einmal spektakulär wieder auf, in einer Lagerhalle in Bad Dürkheim. Irgendjemand hatte sie dort versteckt. Als ich in den Zeitungen davon las, dachte ich, mich trifft der Schlag: Das sind doch die Pferde von Thomas Steinerts Bildern! Ich beschloss sofort, die Fotos noch mal auszustellen.

ZEIT: "Polizei findet Hitler-Pferde", berichtete zum Beispiel die Bild. In welchem Umfeld haben Sie die Statuen von Breker und Thorak damals, 1984, vorgefunden, Herr Steinert?

Thomas Steinert: Sportplatz der Sowjetarmee #3, bei Eberswalde 1985 [Arno Breker: Künder] © Josef Filipp Galerie /​Thomas Steinert

Steinert: Das ist wirklich kurios. Der Sportplatz, auf dem die Plastiken aufgebaut waren, war Teil der Eberswalder Kaserne der Sowjetarmee. Dort durften ausschließlich die in Eberswalde stationierten Sowjetsoldaten Sport machen.

ZEIT: Und Ihnen hat man erlaubt, dort zu fotografieren?

Steinert: Ach was! Ich habe mich dahin geschlichen. Den Tipp, dass die Figuren da seit Jahren neben dem Sportplatz stehen, hatte ich von einem Kommilitonen meiner damaligen Frau, der aus Eberswalde stammte. Spät am Nachmittag machte ich mich auf. Ich nahm einen Schleichweg durch den Wald, in der Hoffnung, dass niemand mich sieht. Heimlich machte ich meine Bilder.