Es ist ein beliebtes Klischee: Der Ehemann, meist in gesetztem Alter und leicht übergewichtig, schnarcht, dass sich die Balken biegen. Seine Frau tut kein Auge zu, aber der Mann selbst ist offenbar immun gegen den Lärm, den er verursacht – und schläft scheinbar ungestört weiter.

Doch schläft er auch tief und fest? Heftiges Schnarchen könne den Schläfer selbst für ein paar Sekunden aufwecken, auch wenn er es gar nicht bemerke, sagt Clete Kushida, ein Schlafexperte an der Universität Stanford.

Vor zwei Jahren wurde endlich einmal in einer Studie untersucht, wie es um die Schlafqualität von Schnarchenden bestellt ist. Es ging nicht um Schlaf-Apnoe, bei der der Atem für mehrere Sekunden aussetzt. Die Forscher von der Universität von Michigan wollten vielmehr den Einfluss des Schnarchgeräuschs auf den Schlaf messen. Also gaben sie der Hälfte ihrer 400 Testschläfer Ohrstöpsel, den anderen nicht.

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Das Experiment war nicht ideal, denn Ohrstöpsel können das eigene Schnarchen nicht völlig ausblenden. (Wenn Sie sich die Finger in die Ohren stecken und schnarchen, hören Sie das Geräusch trotzdem, weil der Schall über die Schädelknochen geleitet wird.) Die Ergebnisse seien auch nicht eindeutig gewesen, geben die Forscher zu. Aber sie legen immerhin nahe, dass die Schnarcher ohne Stöpsel kurzzeitig aufwachten – jedenfalls in der Phase der sogenannten Deltawellen, die ein Zeichen für tiefen Schlaf sind.

Diese Resultate mögen vorläufig sein, aber sie sind ein Anzeichen dafür, dass Schnarcher nicht nur ihrem Partner den Schlaf rauben, sondern manchmal auch sich selbst.

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