Hat ein Fußballtrainer ein Zuhause? Das Navigationsgerät des Autos konnte jedenfalls nichts finden unter der Adresse, die Armin Veh genannt hatte. Wir sollten nach Bonstetten kommen, hieß es, in einen kleinen Ort bei Augsburg, dort habe er ein Haus gebaut – offenbar zu neu, um schon erfasst zu sein. Was ist Heimat für einen Menschen, der alle paar Jahre Arbeitsplatz und -ort wechselt? Zum Beispiel für Armin Veh, 54, der schon zehn Clubs trainiert hat. Hamburg, Wolfsburg, Frankfurt. Zweimal sogar Augsburg und Stuttgart. Jetzt, in der Sommerpause, werden wieder Trainer getauscht, Verträge ausgehandelt, Koffer gepackt. Darum soll es gehen.

Also ohne Navi nach Bonstetten, einen Hügel hinauf durch Neubau-Nacktheit, bis zu einem gleißend hellen Bauhaus-Kubus, viel Weiß, viel Glas, viel Kies, viel Architekten-Ambition. Komisch nur: Die Tür hat keine Klingel. Also klopfen. Nichts. Noch mal. Da guckt – von ganz woanders! – Vehs "sportschau"-bekannter Grauschopf um eine Hausecke.

Armin Veh: Hallo? Hier! Sie stehen an der Tür für den Hund.

DIE ZEIT: Für den Hund?

Veh: Ja, dahinter ist eine Dusche. Sonst bringt der so viel Dreck mit rein.

ZEIT: Wann sind Sie hier eingezogen?

Veh: Im letzten Jahr.

ZEIT: Ziemlich groß ...

Veh: Das täuscht. Es ist nicht groß, es ist nur hell.

ZEIT: Die rechten Winkel, das viele Glas – was verrät uns das über Sie?

Veh: Ich mag keine dunklen Häuser. Ich merke: Je älter ich werde, desto mehr Sonne brauche ich. Im Dunkeln werde ich ja noch lang genug liegen – auch wenn ich’s dann nicht mehr mitkriege. (lacht)

Durch die richtige Tür geht’s dann rein. Drinnen sieht es nicht viel anders aus als draußen: weiß und winklig, Platz statt Protz. Fast zeitgleich verschwindet Vehs Frau Helena mit dem Hund, einem Flat Coated Retriever namens Jerry, wuschelhaarig, freundlich (und noch neugieriger als ein Reporter).

ZEIT: Herr Veh, einer aktuellen Statistik zufolge haben Sie als Trainer eine durchschnittliche Verweildauer von 1,99 Jahren pro Club ...

Veh: ... oh, das hört sich wenig an. Ist es aber gar nicht, glaube ich.

ZEIT:Felix Magath liegt bei 1,59.

Veh: Sehen Sie!

ZEIT: 1,99 Jahre – ist das etwas, wofür der Normalmensch einen Trainer bedauern muss?

Veh: Schwierige Frage. Es kann ja sein, dass von 1,99 Jahren die letzten 0,49 schon eine Qual sind. Und bei mir war’s ja so, dass ich meist selbst entschieden hab: Ich geh. Und wo ich gegangen worden bin, war ich am Ende auch eher erleichtert. Bedauern muss mich also niemand.

ZEIT: Sie sprechen pragmatisch kühl wie diese modernen Arbeitsnomaden.

Veh: So soll das nicht klingen. Mein Ziel ist schon, längerfristig zu arbeiten und etwas aufzubauen. Ich sehe mich nicht als Feuerwehrmann. Ich bin auch kein Wanderer. Das habe ich als Kind schon gehasst – da musste ich mit meinem Vater immer ins Allgäu. Ich glaube nur: 1,99 Jahre sind in meinem Job eher viel.

ZEIT: Für die Öffentlichkeit ist ein Trainer ja ein heimatloses Wesen. Er springt am Spielfeldrand rum, gibt Interviews vor Sponsorenwänden – und wenn er entlassen wird, steigt er in sein Auto und verschwindet ins Nichts.

Veh: Sie zeichnen ein tristes Bild meines Berufes.

ZEIT: Na ja, wir würden schon gern wissen: Was ist für jemanden wie Sie ein Zuhause?

Veh: Das Haus hier. Die Wälder in der Umgebung. Obwohl ich natürlich irgendwann auch wieder arbeiten werde. Und will. Dann werde ich mir wieder einen zusätzlichen Wohnsitz suchen.