Es geht um die Bahn. Nicht um den Streik, falls gerade wieder mal einer stattfinden sollte, sondern um die Pünktlichkeit. Offiziell, so betont die Bahn, seien etwa 95 Prozent ihrer Züge pünktlich. Nur kann das nicht stimmen, wie sich aus Dokumenten herausrechnen lässt, die uns Leserin N. aus G. zugespielt hat, und zwar per E-Mail. Als Vielfahrerin besitzt N. eine Bahncard 100. Die im Volksmund respektvoll Schwarze Mamba genannte Jahreskarte kostet für die zweite Klasse 4090 Euro. Das ist viel Geld für Vielfahrer. Aber noch viel mehr ist es für Viel-auf-der-Strecke-Steher, Dauernd-zu-spät-Kommer und Ständig-Anschlüsse-Verpasser.

Der von N. gewählte Intercity blieb auf dem Weg von Köln nach Hamburg drei Stunden lang liegen. Lokschaden. Wäre N. mit einer klassischen Fahrkarte unterwegs gewesen, hätte sie 45 Euro Entschädigung verlangen können. Wie alle Mamba-Kunden bekam sie aber nur zehn Euro. Mehr gibt es nie. Immer nur zehn Euro. Und auch die nur bei mindestens einer Stunde Verspätung. Aufs Jahr gerechnet, hat die Bahn die Entschädigungen sogar gedeckelt: auf insgesamt ein Viertel der Bahncard-100-Anschaffungskosten.

Um diese Höchstgrenze in Zehn-Euro-Schritten zu erreichen, müsste Vielfahrerin N. innerhalb eines Jahres 102 einzelne Verspätungen à mindestens 60 Minuten zusammenfahren. Also jede Woche zwei. Interessant, dass die Bahn das offenbar für realistisch hält – wozu hätte sie sonst diese Höchstgrenze gezogen? Dabei sollten derartige Verspätungsmengen angesichts der vermeintlich überwältigenden Pünktlichkeit der Züge ja eigentlich unmöglich sein. Viele Bahnkunden haben es sicher geahnt: Da stimmt etwas nicht. Und nun wissen sie auch, was das sein könnte.