Führerschein, Auslandsjahr, Studium: Um dem Nachwuchs den Start ins Erwachsenenleben zu finanzieren, fangen viele Eltern und Großeltern früh an, Geld beiseitezulegen. Banken und Finanzdienstleister haben das erkannt: Sie überschütten junge Familien mit Angeboten, die auf sie angeblich "exakt zugeschnitten" sind. Und tatsächlich hören sich Tarife wie "Biene-Maja-Junior-Schutzbrief", "Tip-Top-Tabaluga-Versicherung" oder "Max-Schlaubär-Kinderpolice" an wie für Eltern gemacht. Allerdings verbinden sie oft Versicherungsschutz mit einer Rentenversicherung und einer Geldanlage. Solche Angebote sind unflexibel und enthalten Unnötiges: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung etwa brauchen Kinder frühestens, wenn sie kurz vor dem Schulabschluss stehen und der erste Job winkt.

Außerdem greifen die Versicherungen in vielen Schadensfällen gar nicht, warnt der Bund der Versicherten: Eine Invaliditätsversicherung enthalten die Pakete zumeist nicht, obwohl die wichtiger als ein Unfallschutz ist.

Vor allem aber sind die Kombi-Produkte oft zu teuer. Tip-Top-Tabaluga von Universa zum Beispiel enthält nicht nur ein unnötiges "Koma-Tagegeld", sondern auch eine fondsgebundene Rentenversicherung, deren Abschluss- und Vertriebskosten bei einer Einzahlung von 25 Euro pro Monat mit mehreren Hundert Euro zu Buche schlagen; dazu kommen Verwaltungskosten von etwa 50 Euro pro Jahr. Der Bund der Versicherten rät auch wegen solcher Angebote, Versicherungen und Geldanlage klar zu trennen.

Eine Ausbildungsversicherung ist ebenfalls problematisch: Eltern oder Großeltern sparen damit monatlich Geld an, dafür zahlt der Versicherer dem Kind zu Beginn des Studiums eine große Summe oder im Studienverlauf einen festen monatlichen Betrag aus. Falls Vater oder Oma vorher sterben sollte, springt die Versicherung ein und zahlt die fehlende Restsumme. Es ist also nichts anderes als eine Kombination aus Kapital- und Risikolebensversicherung. Die Tarife seien oft zu teuer und ähnlich unflexibel wie die anderen Kombi-Policen, warnt der Bund der Versicherten. Wer seine Kinder oder Enkel absichern will für den Fall, dass er stirbt, der sollte lieber eine klassische Risikolebensversicherung abschließen.

Ohnehin sollten sich Eltern erst einmal selbst absichern, bevor sie für den Nachwuchs sparen. Mit einer Risikolebensversicherung etwa und einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Und schließlich sind Eltern gut beraten, zunächst die eigenen Schulden abzubauen, bevor sie anfangen, für ihre Kinder zu sparen – denn kaum eine normale Geldanlage bietet Renditen, die Kreditzinsen auf Dauer schlagen.

Wer das abgehakt hat, sollte sein Geld in Produkten ansparen, die keine Versicherung beinhalten und meist nicht mit bunten Comicfiguren beworben werden. Die einfachste Alternative zum Sparbuch ist ein Tagesgeldkonto, auf das Eltern, Großeltern und Paten einzahlen können. Vorteil: Die Zinssätze liegen etwas höher als bei Sparbüchern, und die Einlagen sind bei einer Pleite der Bank geschützt.

Etwas mehr Rendite bieten Sparpläne auf Festgeld, wobei derzeit nur Minimalzinsen bezahlt werden. Langfristig gilt: Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen, einige Banken versprechen zudem Boni. Schöner Nebeneffekt: Die Sparpläne verleiten dazu, regelmäßig zu sparen – das macht es einfacher, die Sparziele zu erreichen. Allerdings sind bei Sparplänen mitunter Kündigungsfristen zu beachten, falls man sie beenden will.

Fondssparpläne funktionieren nach demselben Prinzip und bringen meist höhere Renditen, bergen aber Risiken. Hier fließt das Geld vielfach nicht in Anleihen, sondern in Aktien, deren Kurse naturgemäß schwanken. Auf lange Sicht allerdings versprechen sie fast immer mehr Gewinn als feste Zinssätze – das lohnt sich besonders für frischgebackene Eltern, die für ihre Kinder über einen längeren Zeitraum ansparen wollen.

Ganz gleich, wie man vorsorgt, eine Frage sollte man sich stellen: Wie groß ist das Vertrauen in die Kinder? Schließen Eltern Konten und Depots auf den eigenen Namen ab, behalten sie zwar die Kontrolle, verschenken aber die Freibeträge, die ihre Kinder ausnutzen könnten. Denn die dürfen wie jeder andere auch bis zu 801 Euro aus Kapitalerträgen steuerfrei verdienen. Wenn das Konto oder Depot allerdings den Kindern gehört und nur von den Eltern verwaltet wird, dürfen sie ab ihrem 18. Geburtstag frei darüber verfügen. Dann kann Sohnemann selbst entscheiden, ob er damit wirklich eine Ausbildung finanzieren will – oder doch lieber auf eine lange Weltreise geht.