Wenn’s läuft, dann läuft’s: Nach zwei Wahlsiegen in Hamburg und Bremen arbeitet die FDP nun auch in Dresden erfolgreich am Projekt Wiederauferstehung. Bei der Oberbürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag landete Dirk Hilbert, unabhängiger Kandidat mit FDP-Parteibuch, auf dem zweiten Platz. Am 5. Juli wird er in einer Stichwahl gegen die SPD-Kandidatin antreten. In Dresden, wo fast so viele Menschen wie in Bremen leben, könnte also bald ein FDP-Mitglied regieren. Für die Partei, die zurzeit in keinem ostdeutschen Landesparlament mehr vertreten ist, wäre dieser Sieg nicht ganz unwichtig.

Zuspruch kommt nun aber ausgerechnet aus der Schmuddelecke. Die Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling, die auch von der NPD unterstützt worden war und am Sonntag immerhin knapp zehn Prozent der Stimmen bekam, hat ihren Anhängern die Wahl des FDP-Mannes empfohlen. Was tun mit Unterstützern, die man gut gebrauchen könnte, aber eigentlich nicht haben will?

Bislang setzt Parteichef Christian Lindner auf Abgrenzung zum rechten Rand. Anhänger der AfD, die in Teilen offen mit Pegida sympathisierte, will er nicht in der Partei sehen. Sein Bundesgeschäftsführer empfahl den FDP-Kreisvorsitzenden kürzlich per Mail, abtrünnige AfD-Fans "wenn überhaupt, dann nur nach sorgfältiger Einzelfallprüfung" in die Partei aufzunehmen.

Die Entscheidung, nach der verlorenen Bundestagswahl nicht gegen die AfD um Eurogegner und Sozialneider zu konkurrieren, war strategisch richtig, denn die Nische der Wutbürger war besetzt. Was aber passiert, wenn die AfD sich bald selbst zerlegt und ihre Wähler eine Alternative zur Alternative suchen?

Populistische Rückstände sind Lindners Erneuerungskurs zum Trotz in der FDP vorhanden, schließlich kann ein Parteichef nicht im Handstreich alle Anhänger umpolen. Der fleißige Wutbürger, der sich betrogen und von höheren Mächten ausgebeutet fühlt, findet sich gerade auch im Dunstkreis der FDP – erinnert sei an den Mitgliederentscheid zur Eurorettung Ende 2011. Fast die Hälfte der abstimmenden FDP-Mitglieder hätte die Griechen am liebsten damals schon aus dem Euro geschmissen.

Dieses Potenzial schlummert immer noch in der FDP, und auch von Pegida grenzten sich nicht alle Führungsleute so klar ab wie Lindner. Der Entgiftungsprozess der Partei ist längst nicht abgeschlossen. Ein Dresdner Wahlsieg mit dem Ruch, einer von Pegidas Gnaden zu sein, könnte ihn empfindlich stören.