DIE ZEIT: Herr Lucchesi, auf dem Frankfurter Flughafen hat neulich eine Frau bei der Handgepäckkontrolle gleich mehrfach gescherzt: "Na, haben Sie die Bombe schon gefunden?"

Achim Lucchesi: Oh, das gibt richtig Ärger.

ZEIT: Sie haben selbst jahrelang als Luftsicherheitsassistent gearbeitet. Was geschieht in so einem Fall?

Lucchesi: Es gibt versteckte Leisten; die berührt der Kontrolleur. Dann kommt die Bundespolizei angerannt und sperrt alles ab. Das Sprengstoffkommando braust in seinem Wägelchen an. Ein Spürhund wird eingesetzt.

ZEIT: Die Frau versäumte ihren Flug und bekam eine Strafanzeige wegen Störung des öffentlichen Friedens.

Lucchesi: Am schlimmsten sind Sätze wie "Die Bombe ist schon an Bord". Dann muss gleich der ganze Flieger abgesucht werden – Sitze, Gepäckraum, Koffer. Das dauert locker drei Stunden.

ZEIT: Auch wenn der Scherzbold sagt: War nur Spaß?

Lucchesi: Spätestens, wenn er zum zweiten Mal was von Bombe sagt, kommt er aus der Nummer nicht mehr raus. Da muss der Kontrolleur handeln. Das sind die Vorschriften.

ZEIT: Sie haben sich dem Thema schon vor vier Jahren gewidmet – in dem Buch Die Bombe is eh im Koffer, in dem Sie von Ihrer Zeit am Flughafen erzählen. Warum sind Bombenscherze immer noch so beliebt?

Lucchesi: Das ist eine deutsche Marotte. Man weiß, dass es Terroristen gibt. Aber richtig ernst nehmen die Leute das nicht. Die denken, die Terroristen, die sind jetzt alle beim IS in Syrien oder im Irak. Die Leute sagen dabei ja auch gerne "Seh ich etwa aus wie ein Terrorist?" Als ob man das an der Bartlänge ablesen könnte!

ZEIT: Nicht leicht, da immer höflich zu bleiben.

Lucchesi: Das ist ja harmlos. Nerviger finde ich, wenn da so ein Vielflieger kommt und flucht und Koffer und Laptop aufs Band knallt. Oder die Monsignori aus dem Vatikan. Die gehen ja nicht, die schweben, in Kontemplation versunken, und meist haben sie einen Assistenten dabei. Der hüpft dann um sie herum und sagt: Bitte belästigen Sie Monsignore nicht. Aber wenn es piept, dann muss der sein Röckchen heben. Und weiß ich denn, ob das wirklich ein Monsignore ist?

ZEIT: Ein Kontrolleur muss also beharrlich sein.

Lucchesi: Und nicht zimperlich. Man muss die Achseln abtasten, egal, wie groß die Schweißkringel drunter sind. Und wenn die Sonde piept und der Typ sagt: Das ist bestimmt mein Intim-Piercing, musst du nachsehen, ob das stimmt.