Nathan Most und Steven Bloom hatten keine Ahnung, was sie anrichten würden, als sie Anfang der 1990er Jahre ein neues Finanzprodukt entwickelten. Einen Fonds, der sich an der Börse handeln lässt und ohne teuren Manager auskommt – einfach indem er den Aktienindex S&P 500 nachbildet, in dem die 500 größten Unternehmen der USA enthalten sind. Maximal eine Handvoll dieser Spezialprodukte würde der Markt brauchen, dachten die New Yorker Börsianer. Sie irrten sich gewaltig. Heute gibt es weltweit 5.400 solcher Fonds. Geschätzte 2,5 Billionen Dollar stecken in ihnen. Und der Fonds von Bloom und Most (Kennung: US78462F1030) ist mit 180 Milliarden Dollar der größte.

Der Name dieser Finanzprodukte: Exchange Traded Funds – zu Deutsch: börsengehandelte Fonds, kurz ETFs. Sie funktionieren wie Geldtöpfe, in die viele Anleger kleinere Summen werfen. Von dem Geld kaufen die Fonds verschiedene Wertpapiere, meist Aktien. Dabei folgen sie in der Regel großen Börsenindizes wie dem Eurostoxx, dem Dow Jones oder dem Dax. Der ETF baut diese Börsenbarometer nach, indem er die gleichen Aktien kauft, die im Index stecken. Schwankt nun der Wert eines Index, bewegt sich der ETF im selben Ausmaß. Deswegen spricht man bei ETFs auch von passiven Fonds oder Indexfonds.

Aber ist es eine gute Idee, stumpf einem Börsenbarometer hinterherzulaufen, in dem ja auch stets schlechte Aktien stecken, und nicht den Manager eines "aktiven Fonds" die jeweils besten Papiere auswählen zu lassen? Oftmals ja, das zeigen Langfristvergleiche. Über einen Fünfjahreszeitraum können mindestens zwei Drittel aller aktiven Fonds ihren Index nicht schlagen. Zwar erzielen aktive Fonds im Schnitt 1,3 Prozentpunkte mehr Rendite als ihr jeweiliger Index. Doch zieht man die Fondskosten ab, hinken aktive Fonds dem Index um einen Prozentpunkt hinterher.

Passive ETFs sind billiger. Wer in sie investiert, zahlt im Schnitt nur 0,4 Prozent des Fondsvermögens als Gebühr. Außerdem spart er sich Ausgabeaufschläge und erfolgsabhängige Gebühren. Zudem müssen Anleger beim ETF-Kauf nicht aufwendig nach dem Fonds mit der vermeintlich besten Strategie suchen, sondern nur entscheiden, welchem Markt sie das größte Wachstumspotenzial zutrauen. Und: Mit manchen Passivfonds kann man ebenfalls in einen Mix aus Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffindizes investieren und so das Risiko streuen.

Weil die Nachfrage nach den Alleskönnerpapieren so groß ist, gibt es inzwischen kaum noch einen Index, den sie nicht nachbilden. Und genau da liegt eine Gefahr. Manche ETFs setzen auf Teilmärkte, die so klein sind, dass die Fonds selber die Kurse beeinflussen, wenn sie dort größere Aktienpakete kaufen. Nicht immer erwerben sie zudem tatsächlich Aktien, manchmal bilden sie Indizes "synthetisch" mit komplexen Kombifinanzprodukten nach. Solche Imitate sind riskanter für Anleger und können auch weit vom eigentlichen Index abweichen. Deswegen gilt: Je simpler ein ETF konstruiert ist, desto besser.

Mit einem ETF haben Anleger allerdings keine Chance, auch nur einen Prozentpunkt mehr herauszuholen, als ihr Referenzindex schafft. Tatsächlich ist es wegen der Gebühren sogar weniger. "Gerade in Zeiten mit niedrigen Renditen lassen Anleger mit ETFs ein erhebliches Renditepotenzial liegen", sagt deshalb Lutz Johanning, Professor für Kapitalmarktforschung an der Hochschule WHU in Vallendar. Obwohl die Gesamtbilanz der Fondsmanager mau ist – ein paar schlagen den Markt sehr wohl. Zudem können sie Crashs besser abpuffern, indem sie Aktien abstoßen, während Indexfonds unweigerlich mit dem Markt abstürzen.

Will man aber auf aktive Fonds setzen, ist es schwer, die besten zu erkennen. Lange schien es, als würde dabei eine Kennzahl helfen: Je höher der active share, also der Anteil der Aktien, den ein Manager frei ausgewählt hat, umso höher die Renditeaussichten. Denn auch viele Fondsmanager legen kaum noch selbstständig an, sondern kaufen lediglich diejenigen Aktien, die im Vergleichsindex stecken. Doch bei genauem Hinsehen lässt sich aus Sicht der Rating-Agentur Standard & Poor’s zeigen, dass Manager mit viel Eigeninitiative genauso häufig überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielen wie überdurchschnittlich schlechte. Und selbst Manager, die seit fünf Jahren einen Lauf haben, können dann abstürzen.

Für die meisten Anleger sind ETFs eben lohnend. Aber Fortgeschrittene können zusätzlich mit einem Aktivfonds auf eine spezielle Strategie oder Branche setzen oder sich gegen Crashs etwas besser schützen – oder darauf wetten, dass sie den Topmanager zur Topzeit gefunden zu haben.