Schulden waren noch nie ungefährlich. Im Mittelalter drohte man im Schuldturm zu landen, wenn man geliehenes Geld nicht zurückzahlte. Ins feuchte Verlies muss zwar niemand mehr. Trotzdem kann der falsche Umgang mit Schulden auch heute noch unangenehm werden. Genau deswegen gibt es diesen Grundkurs: Er erklärt die wichtigsten Begriffe zum Thema, zeigt ein paar klassische Fallen auf und hilft, sie zu umgehen. Schließlich kann es im Einzelfall sehr sinnvoll sein, sich Geld zu leihen. Es kommt aber darauf an, wie man das macht.

Während in der Welt der Banken und Sparkassen von Darlehen die Rede ist, wird umgangssprachlich meist von Kredit gesprochen. Das Wort leitet sich vom lateinischen credere ab, auch die Verwandtschaft zum englischen credibility fällt sofort auf. Darum geht es ja auch: um Vertrauen, dass jemand die geliehene Summe zurückzahlen wird.

Immerhin knapp zwei Drittel aller Deutschen halten Schulden für "weit verbreitet und normal", hat erst kürzlich eine Umfrage bestätigt. Und glaubt man der Werbung der Finanzwirtschaft, gehören Kredite heute ebenso zum Alltag wie warme Mahlzeiten: Klar könne man sein Konto überziehen, natürlich eine Urlaubsreise oder eine neue Küche einfach auf Pump finanzieren. Oder gleich eine Immobilie kaufen – die Zinsen sind schließlich so niedrig wie nie!

Das mit den Zinsen ist zwar richtig, trotzdem machen sich viele Menschen falsche Vorstellungen. Schuldner und Gläubiger gehen durch einen Kreditvertrag nämlich eine Beziehung ein, die länger halten kann als manche Ehe. Und wie zwischen Eheleuten kann auch zwischen ihnen im Lauf der Zeit aus einem rosaroten Rausch ein bitterer Kleinkrieg werden. Und die einst so kumpelhaft wirkenden Geldverleiher werden dann sehr schnell sehr unfreundlich.

1. Lektion: Kreditzweck

Wer Geld leihen will, sollte sich zuvor einige Fragen stellen: Welchen Zweck soll der Kredit erfüllen? Und was bekomme ich für das Geld? Ein Eigenheim beispielsweise können nur wenige Menschen komplett aus eigenen Mitteln bezahlen. Kreditfinanzierungen sind die Regel, zumindest für einen Teil der Summe. Schnell erreichen die Schulden sechsstellige Euro-Beträge und mögen, für sich betrachtet, sehr hoch sein. Allerdings stehen ihnen reale Werte gegenüber: Grundstück und Gebäude. Wer seine Immobilie selbst bewohnt, muss über den Wert eigentlich gar nicht groß nachdenken. Solange er in seinem Haus oder seiner Wohnung bleibt, spart er die monatlichen Ausgaben für Miete, die er anderswo zahlen müsste. Der Verpflichtung zur Rückzahlung des Kredits steht also immer eine Art Guthaben gegenüber – was einen Kredit für eine selbst genutzte Immobilie zu einer vergleichsweise sicheren Sache macht.

Bei Urlaubsreisen ist das anders. Sie sind zwar billiger als Immobilien, kosten aber auch leicht mehrere Tausend Euro. Allerdings ist der Urlaub nach einigen Wochen vorbei, während die Kreditraten oft noch viele Monate lang abgebucht werden. Auch dann noch, wenn die Erinnerung an den Sonnenuntergang in der Südsee längst verblasst ist und man sich erneut urlaubsreif fühlt. Spätestens dann wird klar, dass der Kredit keinen materiellen Gegenwert verschafft hat.

Das ist die Gefahr bei vielen Konsumentenkrediten, die nicht nur zum schnellen Kauf von Reisen, sondern auch von Möbeln, Unterhaltungselektronik und ähnlichen Dingen animieren sollen. Im Jahr 2013 hätten sich die Deutschen immerhin 147 Milliarden Euro zur Anschaffung von Konsumgütern gepumpt, berichtet der Bankenfachverband. Wie schnell deren realer Gegenwert verfällt, weiß jeder, der schon mal ein drei Jahre altes Sofa oder einen gebrauchten Fernseher auf dem Flohmarkt verkaufen wollte.