Wie die Körpergröße ist Intelligenz eine komplexe Eigenschaft des Menschen: Viele genetische, biologische und Umweltfaktoren wirken bei ihrer Entfaltung zusammen. Doch während zur Feststellung der Körpergröße ein Zollstock reicht, müssen Intelligenzforscher sich komplexer Tests bedienen, um die kognitiven Fähigkeiten ihrer Probanden zu messen. Man spricht von "Psychometrie", was so viel bedeutet wie die Vermessung psychologischer Phänomene.

Untersucht wird in der Regel eine Art Grundkapazität des Geistes: die generelle Intelligenz, die den Menschen zu allen kognitiven Basisleistungen befähigt. Dazu gehören abstraktes, logisches Denken, Arbeitsgedächtnis, verbale Begabung sowie räumliches Denken. Diese Fähigkeiten kann man mithilfe entsprechender Testbatterien quantitativ erfassen. Typische Testaufgaben bestehen etwa darin, unter Zeitdruck Zahlenreihen nach einem bestimmten Prinzip weiterzuführen (52, 36, 28, 24, ?), geometrische Muster zu ergänzen oder Begriffe einer gemeinsamen Kategorie zuzuordnen (Maus, Elefant, Mensch = ?). Dabei steigt der Schwierigkeitsgrad von einer Aufgabe zur nächsten.

Der ermittelte IQ ist nicht identisch mit der Intelligenz einer Person, repräsentiert sie aber zuverlässig und konstant. Wird die Person später mit ähnlichen Fragen und unter vergleichbaren Bedingungen noch einmal getestet, sollte sich der ermittelte IQ vom ersten kaum unterscheiden.

Grob gesprochen gibt es bei einem IQ-Test zwei Kategorien von Aufgaben: Manche lassen sich nur lösen, wenn man spezifische Kenntnisse mitbringt. Dazu gehören Faktenfragen oder Wörtertests, denn auch das über Jahre angehäufte Wissen sagt etwas über die Intelligenz eines Menschen aus. Andere Aufgabentypen kann man unabhängig von der Kultur, ja sogar ohne Zuhilfenahme von Sprache bewältigen.

Bildungs- oder Lernerfolgstests dagegen, wie sie etwa in der Pisa-Untersuchung verwendet werden, sind immer kulturabhängig. Sie messen nach international einheitlichen Kriterien, was Schüler in einem bestimmten Alter gelernt haben, und zwar in verschiedenen Wissensgebieten ("Domänen"). Dabei geht es nicht um Faktenwissen, sondern um Fähigkeiten. Etwa sollen die Schüler ihr Leseverständnis unter Beweis stellen, indem sie einem Text relevante Informationen entnehmen und diese kombinieren. Die mathematische Grundbildung wird häufig anhand von Grafiken oder Tabellen erhoben, mit deren Hilfe die Schüler bestimmte Rechenschritte vollziehen müssen.

Hirnforschung - Gibt es Geschlechtsunterschiede bei Intelligenz?

Die Aufgabenstellung macht deutlich, dass IQ-Test und Lernerfolgstests zwar nicht das Gleiche messen, jedoch große Überschneidungen haben. Auch Sprachfähigkeit ist eng mit der Intelligenz korreliert. Zwar sind für den Schulerfolg auch andere Fähigkeiten wichtig wie Konzentration, Motivation oder Selbstvertrauen. Der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt jedoch die Intelligenz, sie wird bei Bildungstests gleichsam immer mitgemessen. Gute Schüler sind deshalb in der Regel immer überdurchschnittlich intelligent; das heißt aber nicht, dass überdurchschnittlich intelligente Schüler umgekehrt auch immer überdurchschnittlich gute Noten haben.