Interessant ist schon die Karte. Im Mehl muss man sie ausfüllen, gern auch kreativ im Feld für Zeichnungen, damit die Bäcker jedem Gast sein individuelles Pizza-Erlebnis bereiten können. Wer das albern findet, macht sein Kreuz bei "Ach, mir doch egal". Aber warum sollte man? Es wirkt ja wie ein sympathischer Gegenentwurf zu den Vapianos und Eatalians, die jeden Geschmack in ein Schema pressen wollen. Also bitte einmal scharf mit Gemüse, Käse und Seafood.

Ihren Standort hat die Pizzeria passend gewählt: Man findet sie im Innenhof des Altonaer Thalia-Theaters, neben der Figur einer nackten, gut genährten Frau. Der Mann am Eingang wiederum hat etwas von einem Verkehrspolizisten. Mit schwingendem Arm weist er Neuankömmlinge den großen Holztischen zu. Reservieren geht nämlich nicht (außer für Gruppen), deshalb wird man meist dazugesetzt.

Wie schreibt der Besitzer, ehedem in der Werbung: "Wer im Mehl zu Gast ist, ist ein Freund. Mehl ist Bindemittel, Mehl ist Bindung. Und ein Mahl ohne Mensch ist nur ein Teig ohne Genuss." Diese Sentenzen kann man auf sich wirken lassen, während man, teils ziemlich lange, auf die Pizza wartet. Die beste von Hamburg, behauptet Bild, die teuerste allemal. Elf Euro kostet schon die Margherita (hier: Mehlgerita).

Gemessen am Anspruch, sitzt es sich angenehm unverkrampft im hell-hölzernenAmbiente mit alten Schulgeräten wie einem ledernen Turnbock, der als Empfangstisch dient. Gehört es zum Konzept, dass auch die Kellner offenbar noch in der Ausbildung sind? Beratungsgespräche klingen etwa so:

"Warum steht auf der Cocktailkarte 'keine Mojitos'?"

"Damit man auch mal was anderes probiert."

"Was denn?"

"Tja, was mögen Sie denn?"

"Mojito."

"Da muss ich fragen, aber ich glaube, mit Cola haben wir nichts."

Die Küche empfiehlt sich derweil mit einem Teller Antipasti. Sieht simpel aus, lauter Gemüse. Doch beim Probieren schmeckt man schnell, dass alles gut eingekauft und frisch gegrillt worden ist. Die Aubergine hat auf der Pizza einen zweiten Auftritt, gemeinsam mit grünem Spargel, Basilikum und rohem Mozzarella. Die Schärfe fehlt. Und zählt Räucherlachs als Seafood? In jedem Fall taugt er schlecht zum Backen; er war ja vorher schon gar.

Eindruck macht der Teig. Er ist so dünn, dass man ihn kaum sähe, hätten die Bäcker ihn nicht mit Sepia schwarz eingefärbt. So dünn, dass man sich fragen kann, ob dünner immer besser ist.

Beim Blick auf die wechselnden Tischnachbarn fällt auf, wie ähnlich die persönlichen Pizzen einander sehen. Wie früher in der Schule: Da wollte der Lehrer, dass man frei diskutierte und hatte doch schon das Ergebnis auf die Innenseite der Tafel gemalt. Das dämpft ein wenig die Neugier auf den nächsten Besuch im Mehl. Doch der Stilwillen im scheinbar Vertrauten ist bewundernswert. Wir warten gespannt auf die Eröffnung der Konditorei Zucker und der Imbissstube Fett.

Mehl, Gaußstraße 190, Ottensen. Tel. 734 99 69, www.dasmehl.com. Geöffnet sonntags – donnerstags 17.30–22 Uhr, freitags und samstags 17.30–23 Uhr. Pizza ab 11 €.