Gerade ist Ebola in Westafrika halbwegs eingedämmt, da erscheint das nächste schreckenerregende Virus am Horizont. Seit drei Wochen breitet sich in Südkorea das Nahost-Atemwegssyndrom-Coronavirus, kurz Mers-CoV, aus. Das Virus war ursprünglich vor allem in Dromedaren heimisch. Nur Personen, die mit den Tieren in Kontakt kamen oder infizierten Tierhaltern sehr nahe waren, steckten sich an. Deshalb verbreitete es sich bis jetzt vor allem auf der Arabischen Halbinsel. Rund 1.200 Menschen sind bislang weltweit erkrankt, 450 von ihnen sind an Mers gestorben, die meisten in Saudi-Arabien und angrenzenden Staaten.

Jetzt gibt es den bisher größten Mers-Ausbruch weit außerhalb des Dromedar-Gebiets. Ein Reisender hatte das Virus von der Arabischen Halbinsel nach Südkorea eingeschleppt. Da die koreanischen Mediziner den Erreger nicht schnell genug identifizierten, hat sich Mers rasch weiterverbreitet. Am Dienstag meldete Südkorea den siebten Todesfall.

Die Frage ist: Hat sich das Virus an den Menschen angepasst? Hat es sich so verändert, dass es nun leichter übertragen wird? Das ist zwar überaus unwahrscheinlich, weil dazu gleich mehrere Mutationen notwendig sind – hätte aber weitreichende Konsequenzen. Südkorea behauptet, die Gensequenz des Virus analysiert zu haben. Doch zugänglich seien, wie der Bonner Virologe Christian Drosten beklagt, die relevanten Details selbst zwei Wochen nach Beginn des Ausbruchs nicht gewesen.

Der Umgang mit Virendaten ist zum Politikum geworden. Mitunter halten Länder bewusst Informationen zurück, weil sie durch Reisewarnungen wirtschaftliche Nachteile befürchten. Manchmal spekulieren einzelne Forscher darauf, aus ihrem Wissen Kapital zu schlagen, indem sie ein Patent darauf anmelden – ein Spiel mit unklarem Gewinn und hohem Risiko.

Die Versäumnisse bei der Bekämpfung von Ebola hätten eine Warnung sein sollen, dass sich Nachlässigkeit im Umgang mit Viren bitter rächen kann. "Wir verpflichten uns, zu verhüten, dass zukünftige Ausbrüche sich zu Epidemien ausweiten", heißt es in der Abschlusserklärung zum G-7-Gipfel in Elmau. Dazu verspricht man Hilfe für die Gesundheitssysteme von mindestens 60 Staaten – vor allem in Afrika.

Dass nun das Hightech-Land Südkorea von einem Krankheitsausbruch kalt erwischt wurde, zeigt jedoch: Globale Gesundheitspolitik darf sich nicht auf Afrika beschränken.