Wer die Welt verbessern will, muss nicht einmal das Haus verlassen. Es genügt, das eigene Geld so anzulegen, dass es hilft, die Erde sauberer zu machen. Das jedenfalls versprechen Anbieter von Wind-Aktien, Umweltfonds oder Solargenussrechten und werben mit Bildern von sattgrünen Wiesen unter strahlendem Sonnenschein.

Deutschlands Anlegern liegt nachhaltige Geldanlage näher als ehrenamtliches Engagement, wie eine Studie der Universität Regensburg belegt. Danach sind sie sogar bereit, für ein gutes Gewissen auf bis zu zwei Prozent Rendite zu verzichten.

Inzwischen gibt es alle Formen der Geldanlage auch mit ethisch-ökologischem Anstrich. Mit der Zahl der Angebote steigt aber auch die Verwirrung: "Es gibt derzeit keine einheitliche oder gesetzliche Regelung, wann eine Geldanlage als nachhaltig bezeichnet werden darf und wann nicht", sagt Monika Pietsch-Hadré von der Verbraucherzentrale Bremen. Ein Atomstromhersteller, der sich gut um seine Mitarbeiter kümmert, kann ihn genauso beanspruchen wie ein Ökostromanbieter, der Mitarbeiter schindet. Anleger müssen also gut hinschauen.

Wer sein Geld vergleichsweise sicher auf einem Tages- oder Festgeldkonto verwahrt wissen will, für den lohnt sich der Wechsel zu einer Alternativbank. Das kann eine Kirchen-, Ethik- oder Umweltbank sein. Während konventionelle Banken das Geld ihrer Kunden meist dort investieren, wo sie die größte Rendite vermuten, legen Alternativbanken wie die GLS Bank oder die Umweltbank nach festen Kriterien an. Sie investieren zum Beispiel nicht in Rüstungsfirmen oder Gentechnik.

Mehr Rendite bringen Direktbeteiligungen, zum Beispiel über nachhaltige Anleihen. Diese werden von Banken wie der KfW Bank ausgegeben, aber auch von Unternehmen. Einer Studie der Rating-Agentur Standard & Poor’s zufolge wurden im Jahr 2014 weltweit rund 37 Milliarden Dollar in sogenannte Green Bonds investiert, größtenteils allerdings von institutionellen Investoren. Die Emittenten versprechen den Anlegern, das Geld für ökologische Projekte zu verwenden. Auch hier gilt aber: Was das ist, definiert jeder Anbieter selbst.

Eine weitere Möglichkeit sind geschlossene Fonds oder Genussscheine. Damit können Anleger bestimmte Projekte unterstützen wie etwa den Bau von Windparks. Auf den ersten Blick ist das verlockend, lässt sich so doch einfacher nachvollziehen, wofür das eigene Geld verwendet wird. Verbraucherschützerin Pietsch-Hadré warnt allerdings: "In der Regel ist es für Anleger kaum möglich, die wirtschaftliche Tragfähigkeit von solchen Projekten einzuschätzen." Der Windparkbetreiber Prokon etwa ging 2014 insolvent. Rund 75.000 Gläubiger verloren die Hälfte ihres Geldes.

Breiter gestreut sind offene Investmentfonds, die auch von konventionellen Banken vertrieben werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Aktien- oder Rentenfonds. Ingo Scheulen von ökofinanz-21, einem Netzwerk für nachhaltige Vermögensberatung, rät Anlegern aber zur Vorsicht. Bei der Anlagestrategie müsse klar definiert sein, nach welchen sozialen und ökologischen Kriterien investiert werde. "Wenn Anleger ein Produkt nicht verstehen, sollten sie lieber die Finger davon lassen."

Bei der Zusammenstellung eines Fonds gibt es zwei Methoden, die oft kombiniert werden: Beim Ausschlussverfahren verzichtet ein Fondsanbieter auf Unternehmen aus bestimmten Branchen wie die Ölindustrie. Beim Best-in-Class-Ansatz wird dagegen in die Unternehmen investiert, die relativ betrachtet am nachhaltigsten arbeiten – die Klassenbesten also. Das kann zum Beispiel ein Automobilhersteller sein, bei dem der durchschnittliche CO₂-Verbrauch der Flotte besonders niedrig ist. Aber: Auch der Klassenbeste muss nicht unbedingt ein Vorzeigeschüler sein.

Wie streng die Auswahlkriterien sind, legt jeder Fondsanbieter selbst fest. Verlässlicher ist es, wenn spezielle Rating-Agenturen der Fondsgesellschaften oder externe Agenturen wie Oekom research die Unternehmen empfehlen: Sie prüfen Nachhaltigkeitsberichte, reden mit Nichtregierungsorganisationen und haken bei der Geschäftsführung nach. Auf der Internetseite und im Anlageprospekt eines Fonds sollte außerdem aufgeschlüsselt sein, nach welchen Kriterien er investiert. Auch einige Verbraucherinitiativen helfen mit Informationen nach.

Eine Übersicht bietet auch das Forum Nachhaltige Geldanlage. Der Verband hat auf seiner Internetseite eine Tabelle mit rund 120 Fonds veröffentlicht. Darin ist aufgeschlüsselt, welche Anbieter zum Beispiel auf die Einhaltung der Menschenrechte und die Vermeidung von chemischen Schadstoffen achten. Zudem stellt der Verband im Juli ein Nachhaltigkeitssiegel vor, das Orientierung bieten soll. Es könne aber nichts darüber aussagen, welche Rendite eine Geldanlage bringe, sagt Geschäftsführerin Claudia Tober. Die Welt zu verbessern bedarf also einer Menge Recherche.