Wollt ihr uns veralbern? Das wäre, ließe man die diplomatische Etikette einmal beiseite, die einzig angemessene Reaktion der EU-Kommission auf die nun auch von Bundespräsident Joachim Gauck durchgewinkte deutsche Pkw-Maut.

Zur Erinnerung: In anderen EU-Staaten zahlen entweder alle für die Benutzung von Autobahnen (also auch die Inländer) oder eben keiner. Die CSU aber erfand für ihren Wahlkampf in Bayern die "Ausländermaut". Sie ist, wie der ursprüngliche Name schon sagt, eine Diskriminierung von Ausländern: Nur diese sollen zahlen, die Deutschen nicht. Das aber ist nach EU-Recht verboten, was irgendwann auch die CSU bemerkte. Doch Verkehrsminister Alexander Dobrindt hatte eine Idee: Er macht einfach zwei Gesetze. Eines, das die Pkw-Maut für alle Autofahrer erhebt. Und ein zweites, dass nur die deutschen über die Kfz-Steuer um exakt denselben Betrag entlastet. Wird bei der EU schon niemand merken, dass sich am diskriminierenden Ergebnis wenig ändert – sieht man davon ab, dass die komplizierte Konstruktion noch mehr Bürokratie und Überwachung bedeutet und die dürftigen Maut-Einnahmen weiter schrumpfen.

Es ist bemerkenswert, wie weit Dobrindt mit der Pkw-Maut gekommen ist. Fast alle halten sie für falsch, trotzdem haben Bundestag und Bundesrat zugestimmt, weil die CSU darauf bestanden hat und niemand die Koalition gefährden wollte. Dass nun auch der Bundespräsident die Gesetze unterschrieben hat, ist aber auch eine gute Nachricht. Denn so ist die letzte nationale Hürde genommen – und die EU kann endlich klagen. Noch im Juni will sie ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten, ziemlich wahrscheinlich, dass am Ende der Europäische Gerichtshof die Maut kippt.

So einfach lässt sich die EU eben doch nicht verschaukeln. Das ist gut so. Die deutsche Pkw-Maut trifft auf ihren Endspielgegner – und wird das unrühmliche Spiel hoffentlich verlieren.