Manchmal kann Richard Landry geradezu knauserig sein. Etwa bei den Fenstern seines Bürogebäudes nahe dem Santa Monica Boulevard in Los Angeles. "Das sind eigentlich alles Reste, die der Glaser nicht mehr verkaufen konnte", sagt er. Um sie dennoch verwenden zu können, entwarf er einfach eine Fassade mit Dutzenden unterschiedlicher Fenstergrößen.

Ansonsten ist Sparsamkeit nicht sein Ding, im Gegenteil. Die Auftraggeber des 58-jährigen Architekten zählen zu den oberen 0,1 Prozent der Superreichen, wie er selbst sagt. Ihnen erfüllt er beinahe jeden Wunsch. Die New York Times krönte den Mann, der mit seinen perlweißen Zähnen, der gepflegten Bräune und der fitnessschlanken Figur wie ein gut erhaltener Hollywood-Seriendarsteller wirkt, kürzlich zum "König der Megavillen".

Diesen Titel verdankt er Immobilienprojekten wie dem gut 3.000 Quadratmeter großen Anwesen, das Schauspieler und Filmproduzent Mark Wahlberg jüngst bei ihm bestellte: einem übergroßen Als-ob-Adelssitz mit Basketballfeld und mehreren Jacuzzi-Bädern. Für das ehemalige Topmodel Gisele Bündchen und ihren Mann, den Footballprofi Tom Brady, errichtet Landry bereits das zweite Anwesen – im Stil eines französischen Schlosses. Inklusive eines "Burggrabens mit Kois", japanischen Zierfischen zum Stückpreis von bis zu tausend Dollar, wie das Immobilien-Blog Curbed LA spottete. Den Vorwurf der Geschmacksverwirrung kontert Landry mit dem Hinweis, es handele sich nicht um einen Burggraben, sondern um einen Teich mit einer Brücke. "Und was ist verkehrt daran, Kois zu haben?", sagt er.

Los Angeles ist neben New York die Metropole in den USA, in der die meisten Ultra High Networth Individuals leben. Das ist die Kernzielgruppe von Landry und seinen 50 Mitarbeitern. Der Begriff umschreibt Menschen mit einem frei verfügbaren Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar. Von Landrys Büro aus gelangt man in kurzer Zeit nach Bel Air, Beverly Hills und in die Hügel von Hollywood. Und wenn Landry seinen – laut Listenpreis – 300.000 Dollar teuren und metallicscharlachroten McLaren nimmt, geht es ganz besonders schnell.

Landry möchte zeigen, was er draufhat, und fährt bis zum Eingang einer Wohnanlage in North Beverly Park. Sie ist streng bewacht, Sicherheitsleute prüfen Ausweise und kontrollieren, ob der Besuch angemeldet ist. Erst dann öffnet sich das Tor zu einer Siedlung, die für Normalbürger tabu ist. Hier sind die Landry-Kunden Sylvester Stallone, Eddie Murphy und Rod Stewart zu Hause. In der Nachbarschaft wohnen Industriemagnaten, die saudischen Prinzen Turki bin Nasser bin Abdel Asis al-Saud und Naif bin Ahmed al-Saud und Medienmogul Haim Saban. Von den Anwesen ist beim Vorbeifahren aber kaum mehr als eine breite Auffahrt zu sehen. Der Rest bleibt hinter Mauern, Hecken und Bäumen verborgen. Die Privatsphäre der Milliardäre.

Während Landry seinen Sportwagen zum eigentlichen Ziel lenkt, gerät er ins Plaudern. "Fun", also Spaß, ist eines seiner Lieblingswörter. Er habe viel davon, sagt er, weil er so viele verschiedene Stilrichtungen ausprobieren dürfe. Italienische Landgüter hat er ebenso gebaut wie maurische Paläste, vom Bauhaus inspirierte Villen, Würfel aus Glas und Stein und Ski-Chalets in Form von gewaltigen Blockhütten. Etwa 500 derartige Privatresidenzen dürften es alles in allem gewesen sein, seit er sich 1987 selbstständig gemacht hat. Zuvor hat er unter anderem für ein Büro gearbeitet, das auf Vergnügungsparks spezialisiert war.

Landry baut überall. Ein spanisches Herrenhaus in Malaysia für eine einheimische Unternehmerfamilie. In Riad eine Anlage mit mehreren hypermodernen Gebäuden. Dort sei viel kulturelles Feingefühl gefragt, sagt er, traditionelle Gastfreundschaft spiele eine große Rolle, "da haben wir viel gelernt". Auch in China ist seine Firma aktiv. Feng-Shui ist wichtig, oft suchen die Bauherren den Rat eines Astrologen, um den besten Platz für das Anwesen zu ermitteln.

Der Kunde hat schon fünf Häuser von Landry, Nummer sechs ist bestellt

Landry sagt, als Architekt habe er kein Problem mit den Wünschen seiner Kunden. Er errichtet Basketballhallen ebenso wie Bowlingbahnen. "Für diese Familien ist es oft schwierig, sich in der Öffentlichkeit ungestört zu bewegen – warum sollen sie dann nicht zu Hause Spaß haben?", fragt er. Die Grenze sei allenfalls erreicht, "wenn jemand etwa eine italienische Villa wünscht, aber Panoramafenster einbauen will".

Dann bremst Landry seinen Sportwagen. Er ist am Ziel. Das Haus im französischen Landhausstil, das sich hinter dem hohen schmiedeeisernen Tor verbirgt, sei ihm besonders gut gelungen, sagt er. Im Vorhof mit dem importierten europäischen Kopfsteinpflaster plätschert ein antiker Brunnen, ein Mercedes der Oberklasse parkt im Schatten stattlicher Pinien. Verkleidet ist das 4.000 Quadratmeter große Gebäude mit Dalles de Bourgogne, einem antiken Naturstein aus Frankreich. Der Schiefer auf den Dächern kommt aus dem US-Bundesstaat Vermont, die Fensterrahmen sind mit Bronze beschlagen.