Zwischen 23 Uhr und 9.30 Uhr wird die HSV-Uhr abgeschaltet. Dann hat sie Zeit für sich selbst. Kommt zur Ruhe. Horcht in sich hinein ...

"Liebes Tagebuch, ich hätte so gern aufgehört. Der Druck macht mich fertig. Du darfst nicht stehen bleiben, du darfst nicht stehen bleiben! Ich bin doch keine Atomuhr! Meine Mutter hat recht gehabt. Mach was Anständiges. Kirchturmuhr. Gute Luft, regelmäßige Wartung, Anerkennung. Die Kollegin vom Michel sagt, die Tauben und Krähen sind ein Problem, und die Glocken gehen einem nach ein paar Jahren richtig auf den Zeiger, aber alles in allem ein guter Job.

In der Wandelhalle hab ich mich beworben, aber da nehmen sie keine Digitalen. Bahnhofsuhr ist schon cool. Alle schauen zu dir auf, haben Respekt. Da kannst du den Leuten richtig Beine machen.

Wenigstens hab ich mich nicht zur Umschulung auf Schuldenuhr bequatschen lassen. Die von der Uni ist total fertig. Allein die Witze, die die Leute machen. "Die tickt sicher griechisch" – solche Sachen.

Werksuhr, das wär was. Ne entspannte Kugel schieben. Die Leute lassen einen in Ruhe, und wenn Feierabend ist, gucken sie nett.

Bin ich undankbar? Meine Kusine ist Stempeluhr geworden. Zwei Jahre, zack, Burn-out. So gesehen geht’s mir Gold. Eine Saison hab ich noch in mir. Doch, das wird schon. Uwe Seeler hält ja auch durch."