Unter Gesundheitsökonomen gibt es den Ausdruck "Sterbekosten". Damit sind nicht die Ausgaben für Sarg und Grabstein gemeint, sondern die medizinischen Kosten, die für einen Menschen im letzten Lebensjahr anfallen. Die variieren von Mensch zu Mensch sehr stark: Bei den einen kommt der Tod im wörtlichen Sinne "kurz und schmerzlos", bei anderen zieht sich das Sterben über Monate hin und ist mitunter mit teuren medizinischen Behandlungen verbunden.

Aber es geht ja um Statistik, um Durchschnittswerte für die Bevölkerung. Und da kann man durchaus allgemeine Aussagen treffen. Erstens: Die Sterbekosten fallen natürlich für jeden Menschen irgendwann einmal an, hier herrscht ultimative Gleichheit. Zweitens: Die Gesundheitsausgaben wachsen mit dem Lebensalter stetig an – es mehren sich halt die Zipperlein. Die Sterbekosten aber werden mit dem Alter geringer. Je später man stirbt, umso kostengünstiger das letzte Jahr. Denn während Menschen, die mit 65 sterben, meist eine teuer zu behandelnde langwierige Krankheit hatten, geht es bei 95-Jährigen meist sanfter und schneller. Grob gesagt, kostet beim 65-Jährigen das letzte Jahr 20-mal so viel wie das vorletzte, beim 95-Jährigen eineinhalbmal so viel.

Richtig teuer wird es kurz vor dem Tod: Laut einer amerikanischen Statistik steigen die Ausgaben im letzten Lebensjahr von Monat zu Monat – und verdoppeln sich dann noch mal im allerletzten.

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Man kann also nicht unbedingt sagen, dass die Sterbekosten in der "alternden Gesellschaft" steigen – dieser Posten im Gesundheitswesen verschiebt sich nur nach hinten. Und im Verhältnis zu den Gesamtausgaben des Gesundheitssystems ist er ohnehin eher unbedeutend. Schaut man nur auf die Krankenhauskosten – dort werden ja die Operationen kurz vor dem Tod durchgeführt –, dann betrugen 2008 die Aufwendungen für Sterbende in Deutschland 3,5 Milliarden Euro, etwa fünf Prozent der gesamten Behandlungskosten von 66,7 Milliarden Euro. In dieser Größenordnung dürfte auch der Anteil der Sterbekosten an den gesamten Gesundheitsausgaben liegen.

Bei der heiklen Frage, wie viel lebenserhaltende Medizin notwendig und sinnvoll ist, sollten diese Zahlen aber keine Rolle spielen. Es ist zwar wichtig, über das Thema zu diskutieren – doch man sollte die Debatte nicht unter reinen Kostengesichtspunkten führen.

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