Denk ich an Großbritannien, denk ich an die Queen und an rote Busse, an Teestuben und Pubs in besonders charmanten Dörfern – und an besonders gierige Banker in der City of London, die dank eines Freifahrtscheins der Regierung genauso weitermachen wie vor dem Finanzcrash.

Solche Weltbilder vereinfachen die Realität. Aber ohne sie wäre man in dieser immer komplexeren Welt ja vollständig aufgeschmissen. Und ganz falsch sind sie ja auch nicht. Dennoch: Manchmal ist es an der Zeit, die Tatsachen zurechtzurücken. Dabei hilft diese Woche die Bank HSBC, die sich ganz und gar nicht von der britischen Regierung unterstützt fühlt, im Gegenteil.

Die größte britische Bank, zugleich auch Europas größtes Geldhaus, will die Rosskur vorantreiben, die ihr Vorstandschef Stuart Gulliver vor vier Jahren einleitete. Seither hat HSBC weltweit 97.000 Stellen abgebaut. Von den übrigen 208.000 Arbeitsplätzen sollen bis 2017 weitere 25.000 gestrichen werden. Außerdem wird sich HSBC aus der Türkei zurückziehen und die Tochter in Brasilien verkaufen. All das soll Einsparungen von fünf Milliarden Dollar bringen.

In London sorgt HSBC mit dieser Ankündigung für Unruhe. Denn Gulliver will nicht nur Geld sparen und Filialen schließen. Er lässt auch intern prüfen, ob die Bank nicht besser dran wäre, wenn sie den Hauptsitz an ihren Gründungsort Hongkong verlegen würde.

Abgesehen davon, dass HSBC vergangenes Jahr 78 Prozent des Nettogewinns in Asien verdiente und nur drei Prozent in Europa, drängt auch das politische Klima in Großbritannien zum Rückzug. Seit dem Crash zieht die Regierung von den Banken in der City eine Sondersteuer ein, die sie bereits dreimal erhöht hat. 2014 kostete das HSBC 1,5 Milliarden Dollar. Was die Aktionäre dabei besonders verärgert, ist, dass ausländische Banken nur auf der Basis ihrer britischen Bilanzen besteuert werden, während bei britischen Banken die gesamte Bilanzsumme zugrunde gelegt wird.

Ein Beamter im Finanzministerium räumt ein: Der Abzug von HSBC wäre für London "ein herber Schlag", der sich durch Stellenabbau bei anderen Dienstleistern in der City bemerkbar machen würde. "Schärfere Regulierung wie die Trennung zwischen Kundengeschäft und Investmentbanking ist eine Sache. Das haben die Banken wohl eingesehen", sagt er. "Aber darüber hinaus hat die Politik wohl zu lange auf die Banker eingedroschen."