Deutschland ist ein Hort der Exzellenz in Wissenschaft und Forschung. In Spezialdisziplinen wie der Erforschung der Entspannungswirkung von Badezusätzen sind wir unschlagbar. Zum Beweis schickte mir Leserin Angelika K. aus Leipzig kürzlich die Studienergebnisse zur Bade-Essenz "Tiefenentspannung" mit Patschuli zu, die der Hersteller Kneipp durch "umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen" gewinnen konnte: Das Zeug lasse "den Geist zur Ruhe kommen".

Nicht nur der Geist, auch die Vernunft darf eine Auszeit nehmen. Vielleicht entspannt sich ja auch schon, wer einfach mal ein paar Minuten in der Wanne liegen darf, ohne von den Kneippschen Auftragsforschern ständig nach seinem Befinden gefragt zu werden. Die gerade mal 30 Frauen, die in der angeblich "umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchung" als Probandinnen dienten, gaben an, vor dem Bad mittelmäßig und hinterher absolut entspannt gewesen zu sein. Was auch an der Wärme des Badewassers gelegen haben könnte, aber so detailliert war die Studie offenbar nicht konzipiert. Wo ist eigentlich die staatliche Forschungsförderung, wenn man sie mal braucht?

Die Patschuli-Szene schwärmt tatsächlich von der beruhigenden Wirkung des Öls, das aber nicht nur entspannend, sondern auch verdauungsfördernd, erotisierend und entwässernd sein soll. Ein Online-Aromalexikon gibt an, Patschuli werde in Asien traditionell verwendet, um Wäsche vor Ungeziefer und Insekten zu schützen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass die Abwesenheit von Insekten im Badezimmer die Entspannung fördert. Noch förderlicher für mein persönliches Wohlbefinden wäre allerdings die Abwesenheit von Pseudowissenschaft.