Der Grund, weshalb Marten Blankesteijn auf die Idee mit dem digitalen Zeitungskiosk kam, ist ziemlich simpel: weil keiner seiner Freunde mehr gedruckte Zeitungen liest. Blankesteijn ist 28 Jahre alt und Journalist, er hat also noch ein paar Jahrzehnte vor sich, in denen er Geld verdienen muss – und er will das mit Journalismus tun. 2013 hat der Niederländer Blendle gegründet: eine Onlineplattform, auf der Nutzer Artikel einzeln lesen können – und für die sie zahlen. Jetzt gibt es diese Plattform auch in Deutschland, 37 Zeitungen und Zeitschriften machen mit, darunter auch die ZEIT.

Es ist ein weiterer Versuch, Paid Content massentauglich zu machen. Die Frage, wie sich Journalismus in Zukunft finanzieren lässt, ist alles andere als neu. Neu ist, dass sich nicht nur Verlage damit auseinandersetzen, sondern vermehrt auch andere Unternehmen. Blendle ist nicht allein, die Konkurrenten heißen Readly oder Pocketstory. Und auch große Konzerne mischen mit: Anfang des Monats verkündete Apple, im Herbst Apple News zu starten: quasi ein iTunes für Artikel. Vorerst soll es die Lese-App in den USA und Australien geben. Mit dabei sind unter anderem die New York Times, CNN und Bloomberg.

Die Verlage haben es versäumt, sich ihre Inhalte im Netz bezahlen zu lassen. Das umzukehren wird schwer. Doch es ist nötig. Denn Werbung allein ist keine Lösung, vor allem nicht, seit es Ad-Blocker gibt, mit denen sich Werbung ausblenden lässt. Einer aktuellen Studie zufolge nutzt sie schon fast jeder zweite US-Amerikaner. Apple wird mit dem nächsten Update seines Mobil-Betriebssystems iOS erstmals Ad-Blocker auf iPhones möglich machen.

2011 versuchte das Unternehmen Piano Media, in mehreren osteuropäischen Ländern Bezahlmodelle zu etablieren, alle Verlage sollten mitmachen. In der Slowakei, Slowenien und Polen funktionierte das anfangs auch noch, in anderen Staaten dagegen nicht. Heute verdient Piano Media sein Geld mit herkömmlichen Bezahlschranken.

In Deutschland lassen sich etwas mehr als hundert Verlage Artikel bezahlen, die Modelle sind unterschiedlich. "Die meisten Paywalls sind schrecklich", sagt Blendle-Gründer Blankesteijn. Viel zu kompliziert, das schrecke Nutzer ab. Plattformen wie seine haben einen anderen Ansatz: Nutzer können online durch Zeitschriften und Zeitungen blättern und Artikel anlesen. Gefällt ihnen einer, können sie ihn kaufen. Wie bei Zalando gibt es sogar eine Geld-zurück-Garantie, wenn einem ein Artikel nicht gefällt. Wie teuer ein Artikel ist, das entscheidet der jeweilige Verlag. Er bekommt 70 Prozent des Betrages. Blendle erhält 30 Prozent.

Kritiker sagen, dass eine Marke durch so einen digitalen Kiosk verwässere. Kunden kauften schließlich nicht mehr eine bestimmte Zeitung, sondern einen Artikel zu einem bestimmten Thema.

André Hellmann von der Karlsruher Strategieberatung netzstrategen macht sich da keine Sorgen. Eine Lösung seien Plattformen wie Blendle aber nicht. "Die haben kaum Reichweite, und ich sehe auch nicht, wie sie die ausbauen wollen." Apple sei da schon ein Player anderen Kalibers. Vor Apple News habe er Respekt.

Apple und andere Konzerne wie Facebook und Google bemühen sich um den Journalismus – nicht unbedingt deshalb, weil sie ihn an sich für wichtig erachten, sondern vor allem, um ihr eigenes Geschäft am Laufen zu halten. Apples Stärke etwa sind Endgeräte, und die müssen mit Leben gefüllt werden. Das kann Musik sein oder die eigene Pulsfrequenz. Oder eben Reportagen. Am Wochenende hat Apple eine Stelle ausgeschrieben: Der Konzern sucht Redakteure. Die sollen die "guten Artikel hochwertiger Verlage" finden. Damit die Leser zu Apple News kommen.