Es waren intensive Konsultationen: Über anderthalb Jahre hinweg trafen sich Experten in Rom. Der Papst ließ sich von Klimaforschern, Ökonomen und Soziologen beraten, aber auch von alten Weggefährten inspirieren. Seine Helfer:

Marcelo Sánchez Sorondo, 72. Der Kurienbischof aus Argentinien ist Beirat der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften und organisierte mehrere Treffen zu sozialen Themen. Als enger Vertrauter des Papstes wird er von diesem oft spontan angerufen.

Ban Ki Moon, 70. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen war im April zu Gast im Vatikanund diskutierte mit Franziskus über Umweltschutz. Im September folgt der Gegenbesuch: Dann spricht der Papst vor den UN in New York.

Ioannis Zizioulas, 84. Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Pergamon kommt diese Woche nach Rom und repräsentiert bei der Vorstellung der Enzyklika die weltweite Orthodoxie.

Jeffrey D. Sachs, 59. Der amerikanische Ökonom ist Direktor des UN-Netzwerkes für Sustainable Development Solutions. Sachs war mehrfach in Rom, um über die moralische Dimension des Klimawandels zu sprechen.

Peter Turkson, 56. Der Kurienkardinal aus Ghana stellt die Enzyklika offiziell vor. Am Donnerstag spricht er im Synodensaal des Vatikans zu den Medien. Er ist aktiv im Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Beim Thema Homosexualität ist er allerdings ein Hardliner.

Leonardo Boff, 77. Der brasilianische Befreiungstheologe stritt für Gerechtigkeit und ökologische Wirtschaft. Voriges Jahr bat der Papst ihn, eine Auswahl seiner Schriften nach Rom zu schicken.

Hans Joachim Schellnhuber, 65. Der Gründungsdirektor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung gehört zu den Präsentatoren der Enzyklika. Sein Institut war an den Konsultationen beteiligt. Der Öko-Ökonom Ottmar Edenhofer initiierte zuvor ein Projekt mit der Hilfsorganisation Misereor zur Bewältigung von Klima- und Armutskrise.

Óscar Rodríguez Maradiaga, 72. Der Honduraner koordiniert in Rom den Kardinalsrat zur Reform der Kurie. Der Papstfreund setzt sich für eine gerechte Globalisierung ein.

Bereits vor Veröffentlichung der Enzyklika formierten sich Gegner, darunter Stefano Gennarini vom American Center for Family and Human Rights in Washington sowie der ehemalige Direktor der Vatikanbank Ettore Gotti Tedeschi. Politischer Gegenwind wird von den Republikanern erwartet, namentlich von Senator Marco Rubio und dem ehemaligen Sprecher des US-Repräsentantenhauses Newt Gingrich.

Aus dem Italienischen von Myriam Alfano