Den Reichen nehmen, den Armen geben

Jede Tonne Kohlendioxid (CO2) schadet dem Klima. Egal, wo auf der Welt sie anfällt. Die Schwellenländer treiben den globalen CO2-Ausstoß besonders hoch. Sie erzeugen Strom oft mit veralteten, ineffizienten Kraftwerken. Und die Industrie braucht oft viel mehr Energie als etwa in Mitteleuropa, um Produkte herzustellen. Die Lösung: Geld und Know-how für bessere Technologien. Leisten die Industrieländer hier Entwicklungshilfe, können sie mit relativ kleinem Einsatz größere CO2-Einsparungen erreichen als zu Hause. Die G 7 wollen den neuen Klimaschutzfonds für Entwicklungsländer unterstützen. Der soll 2020 starten – mit 100 Milliarden Dollar pro Jahr.

Strom statt Kraftstoff

Verkehr erzeugt fast ein Viertel aller CO2-Emissionen, die meisten stammen aus Verbrennungsmotoren. Beim Verheizen von Benzin, Diesel oder Kerosin ist es fast unvermeidlich, dass die Abgase in die Atmosphäre gelangen. Umso wichtiger ist es, Elektroautos endlich massentauglich zu machen – etwa, indem der Staat die Entwicklung effizienterer Batterien und den Aufbau eines E-Tankstellen-Netzes fördert. Im Flugzeug oder Lkw ist der Verbrennungsmotor auf weite Sicht konkurrenzlos. Regierungen müssen Anreize schaffen, um den Güter- und Personenverkehr wo immer möglich auf die Schiene zu verlagern, zum Beispiel durch eine CO2-Steuer oder dichtere Netze.

Abgase unter die Erde

Kohle ist auch im 21. Jahrhundert das Rückgrat der modernen Industriegesellschaft. Das Fossil hat nicht nur rund 40 Prozent Anteil an der weltweiten und deutschen Stromerzeugung; es ist auch für die Zement- und Stahlherstellung fast unentbehrlich.

Viele Staaten werden Kohle nicht komplett aufgeben wollen, weil das ihre Wirtschaft lähmen würde. Aber wohin mit den schädlichen Abgasen? Anstatt sie in die Atmosphäre zu blasen, könnte man sie mit der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage, auch CO2-Sequestrierung genannt) abscheiden und in unterirdische Speicher leiten.

Zurzeit ist das Verfahren noch aufwendig und politisch umstritten. Gegner befürchten, dass das Gas nicht im Boden bleiben und sogar Erdbeben auslösen könnte. Bislang weiß man noch relativ wenig über die CCS-Technologie, die Kosten dafür sind noch sehr hoch. Das liegt auch daran, dass die CO2-Sequestrierung bisher kaum in großem Stil getestet wurde. Darauf zu verzichten kann sich die Menschheit nicht länger leisten.

Atomkraft? Ja, bitte!

Vier Jahre nach Angela Merkels Atomausstiegs-Beschluss bauen oder planen eine Reihe von Staaten neue Kernkraftwerke: von den USA und China über Indien und Südkorea bis Polen und Großbritannien. Selbst Japan will trotz der Fukushima-Katastrophe wieder Meiler hochfahren. Laut der Internationalen Atomenergieagentur werden weltweit gerade 67 Blöcke errichtet, China hat dieses Jahr schon vier Reaktoren ans Netz gebracht. Auch die EU-Kommission unterstützt die Kernkraft, als "zentrale Energiequelle für die CO2-arme Stromerzeugung".

Denn so, wie es gute Gründe für den Atomausstieg gibt, gibt es auch gute dagegen: Sind die Meiler einmal gebaut, erzeugen sie die Elektrizität relativ preiswert und in großen Mengen. Anders als Wind- oder Solarkraftwerke liefern sie berechenbar und gleichmäßig – das ist enorm wichtig für die Versorgung der Industrie. Außerdem ist die Technologie klimafreundlich. Atomkraft wird also in vielen Ländern noch gebraucht. Und diese werden ihre Kern-, Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke kaum gleichzeitig abschalten. Zurzeit erzeugen sie gut drei Viertel des globalen Elektrizitätsbedarfs. Auch in Deutschland ist die Stromproduktion aus Braunkohle nach dem Abschalten der ersten AKW auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen.

Mehr Trassen

Der Wind weht nur manchmal, die Sonne scheint nicht immer und nicht überall gleich stark. Erst recht nicht dort, wo die Energie benötigt wird. In Europa etwa zählen die dünnbesiedelten Nordküsten Schottlands und Norwegens zu den besten Windstandorten. Das meiste Sonnenlicht fällt auf industriearme Gebiete wie Südportugal oder Andalusien.

Je mehr fossile Kraftwerke abgeschaltet werden, desto wichtiger werden große, grenzüberschreitende Leitungen. Sie leiten den Strom vom Erzeugungs- zum Verbrauchsort – und versorgen Regionen mit viel Industrie wie etwa Bayern auch an windarmen oder dunklen Tagen rund um die Uhr.